Eine von 20 Frauen erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs. Erhält man die Diagnose in Schwangerschaft oder Stillzeit, ist eine gute Stillberatung gefragt, denn Behandlungen, Medikamente und Co. können sich unter Umständen auf die Milchbildung auswirken.

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Brustkrebs: Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Die Diagnose Brustkrebs ist für viele Frauen ein Schock. Jährlich erkranken in Deutschland rund 70.000 Frauen daran, Brustkrebs macht somit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen aus. Frauen, die die Diagnose in Schwangerschaft oder Stillzeit bekommen, sind zusätzlich besorgt, ob sie ohne Probleme (weiter-)stillen können.  Zudem befinden sich betroffene Frauen oft in einer schwierigen Situation, da ihre Erkrankung erfordert, dass sie sich auf sich selbst konzentrieren sollen, während sie zudem ein Kind versorgen müssen. Eine Behandlung zugunsten des Stillens auf später zu verschieben, kann für Mütter sehr gefährlich werden, denn je früher eine Krebserkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf langfristige Heilung.

Vorsorge-Screenings wie die Mammographie, MRT oder Ultraschall können ohne Probleme auch in der Stillzeit gemacht werden. Vor der Untersuchung sollte, wenn möglich, die Brust allerdings entleert werden, um Falschdiagnosen zu vermeiden. Plant eine Mutter in nächster Zeit das Abstillen, können Vorsorgeuntersuchungen auch sechs bis acht Wochen nach dem Abstillen geplant werden.

Stillen und Brustkrebs: Ist es während einer Behandlung möglich?

Während einer Behandlung (z.B Chemotherapie) kann es zu einer ausbleibenden Milchproduktion kommen. In diesen Fällen können keine milchbildenden Medikamente wie Domperidon oder Galaktogoga gegeben werden, da diese die Wirksamkeit der Therapie negativ beeinflussen können. Zudem darf während einer Chemotherapie nicht gestillt werden, da giftige Zystostatika die Muttermilch verunreinigen können. 

Zwischen den Behandlungen kann in Absprache mit einem Arzt / einer Ärztin jedoch in den meisten Fällen gestillt werden. Eine durch die Chemotheapie ausgelöste Fibrose kann jedoch eine Reduzierung der Milchmenge zur Folge haben. Eine Strahlentherapie kann bei Kindern unter Umständen zur Brustverweigerung führen, da die Milch der bestrahlten Brust oftmals einen anderen Geschmack aufweist. Zudem kann sie dazu führen, dass die Mamille in ihrer Elastizität nachlässt und das Stillen so erschwert wird. Eine Möglichkeit wäre hier das einseitige Stillen. Auch eine Brust ist ohne Probleme in der Lage, genug Milch für ein Kind zu produzieren. Zur Sicherheit sollte jedoch das Gewicht des Kindes regelmäßig kontrolliert werden. Zur Maximierung der Milchmenge kann die Brust durch zusätzliche Milchgewinnung durch eine Milchpumpe stimuliert werden.

Bei einer Hormontherapie muss immer individuell entschieden werden, ob ein Stillen möglich ist. Aromatase Inhibitoren, die bei einer Brustkrebserkrankung zum Einsatz kommen, sind in Schwangerschaft und Stillzeit leider kontraindiziert, da z.B. Spuren davon in die Muttermilch übergehen können.

Ist eine Krebsbehandlung abgeschlossen, kann unbedenklich gestillt werden. Zudem senkt Stillen das Risiko für eine erneute Krebserkrankung.

Brustkrebs in der Schwangerschaft

Rund eine von 5000 Frauen erhält die Diagnose Brustkrebs in der Schwangerschaft. Studien haben erwiesen, dass Chemotherapien nach dem ersten Trimester vorsichtig durchgeführt werden können, ohne dass langfristige Folgen für das Kind bestehen. Bei Diagnosestellung im zweiten und dritten Trimester wird die Bestrahlung nach Möglichkeit nach der Geburt durchgeführt, meist zwei Wochen danach. Muss eine Brust operiert werden, ist das Stillen bis zur Operation in der Regel möglich.

Frauen, die in der Schwangerschaft eine Chemotherapie erhalten, haben in der Regel mehr Probleme Milch zu bilden. Schon während der Schwangerschaft sollte eine gute Stillberatung in Betracht gezogen werden, um auf alle Eventualitäten eingestellt zu sein.  Viele Frauen brauchen zudem eine psychologische Unterstützung, da sie darunter leiden, ihre vorgenommen Stillziele unter Umständen nicht zu erreichen. Hier sollte das Umfeld sich verständnisvoll zeigen und die Mutter nicht nur während ihrer Krebsbehandlung nach allen Dingen unterstützen, sondern auch bei der Versorgung des Babys.

Frauen sollten sich niemals dafür schämen, wenn sie nicht stillen können oder frühzeitig abstillen müssen. Zwar hat Muttermilch viele gesundheitliche Vorteile, allerdings wird auch die heutige Säuglingsersatznahrung streng geprüft und hat viele wichtige Nährstoffe für eine gesunde Kindesentwicklung.

Referenzen:

Amant F. et al. Long-term cognitive and cardiac outcomes after prenatal exposure to chemotherapy in children aged 18 months or older: an observational study. The Lancet Oncology 2012. 13: 3; 256 – 264. DOI:10.1016/S1470-2045(11)70363-1

Johnson HM, Mitchell KB. Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Protocol #34: Breast Cancer and Breastfeeding. Breastfeed Med 2020;15(7).

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