Muttermilch ist die gesündeste Art, ein Baby zu ernähren. Im Laufe der Stillzeit verändert sie sich, um perfekt an die Bedürfnisse des Säuglings angepasst zu sein und gilt als Superfood fürs Baby. Wir stellen die drei verschiedene Formen der Muttermilch vor.

Teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Kolostrum: Die „goldene“ Erstmilch

Einer der wohl spannendsten Momente einer Mutter ist der, wenn sie das Kind zum ersten Mal zum Stillen an die Brust anlegt. Die Erstmilch, auch Kolostrum genannt, wird schon während der Schwangerschaft gebildet. Sie ist gelblich und sehr dickflüssig, da sie einen hohen Zellgehalt aufweist. Das Kolostrum enthält wichtige immunmodulierende Proteine und eine hohe Konzentration an Mineralstoffen, Vitamin A und Vitamin E. Im Kolostrum enthaltene Beta-Endorphine helfen dem Neugeborenen, den Stress des Geborenwerdens zu verarbeiten und sich nach dem Stillen wohl zu fühlen.

Da Säuglinge vor allem im ersten Vierteljahr schnell wachsen, ist der Proteingehalt in der Milch zu dieser Zeit besonders hoch. Sinkt die Wachstumsrate, nimmt auch der Proteingehalt in der Muttermilch ab. Im Kolostrum ist der Anteil des Molkenproteins in hoher Konzentration vorhanden. Neugeborene besitzen kaum Abwehrkräfte. Umso gehaltvoller sind die immunaufbauenden Inhaltsstoffe des Kolostrums für einen gesunden Start ins Leben. Deshalb wird Kolostrum oft als „erste Schutzimpfung“ bezeichnet. Es hilft nicht nur dabei, die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum vor Krankheitserregern zu schützen, sondern auch Lunge und Darm. Es ist gegen Viren wirksam und kann sogar das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Durch die erste Milch wird eine gesunde Darmflora aufgebaut und die Darmbarriere gegen Krankheitserreger gebildet. Zudem senkt die abführende Wirkung des Kolostrums durchs Stillen direkt nach der Geburt die Gefahr einer Neugeborenengelbsucht.

Auch die mütterliche Ernährung in der Stillzeit trägt zur Qualität der Muttermilch bei. Nach 18 bis 36 Stunden ändert sich die Zusammensetzung des Kolostrums, bis es nach etwa fünf Tagen von der Übergangsmilch abgelöst wird. Aufgrund der vielen Vorteile des Kolostrums wird das Kolostrumstillen, also das erste Anlegen im Kreißsaal, auch für Mütter, die nicht stillen wollen, empfohlen. Mütter müssen sich auch keine Sorgen machen, dass sie danach nicht mehr Abstillen können.

Die Übergangsmilch

Die Übergangsmilch ist in ihrer Konsistenz wässriger und ist nicht mehr gelblich, sondern blau-weißlich. Sie enthält weniger Eiweiß als das Kolostrum, jedoch ist sie reicher an Kohlenhydraten und Fetten. Laktose ist eines der wichtigsten Kohlenhydrate in Muttermilch. Sie liefert Energie und fördert das Wachstum von Laktobazillen, die das Immunsystem des Darms beeinflussen und das Baby vor Durchfällen schützt. Da das Baby schnell wächst und eine größere Nährstoffzufuhr benötigt, wird mehr Milch gebildet als in den ersten Tagen. Auch der Kaseingehalt in der Milch steigt an und passt sich den Bedürfnissen des Säuglings an.

Die reife Muttermilch

Circa zwei Wochen nach der Geburt wird die reife Muttermilch ausgebildet. Sie besteht aus einer wässrigen Vordermilch, die fettarm ist und zunächst den Durst des Babys stillen soll. Wenige Minuten nach dem Anlegen fließt die Hauptmilch, die viel fett- und kalorienreicher ist als die Vordermilch. So ist dafür gesorgt, dass sowohl Durst als auch Hunger an derselben Brust gestillt werden.

Die reife Muttermilch hat einen sehr hohen Nährwertgehalt und zudem Antikörper, die das Baby vor allem vor Bakterien und Viren schützen. Zeitlich ist die Wandlung zur reifen Muttermilch etwa auf die Ausbildung des Greifreflexes abgestimmt, bei dem das Baby Gegenstände in die Hand nehmen möchte. So kann das Kind optimal vor einer möglichen Infektion durch Keime geschützt werden. Insgesamt stammen im Darmtrakt des Babys rund 30 % der guten Bakterien alleine aus der Muttermilch. Muttermilch ist mehr als nur ein Wandlungskünstler. Sie passt sich den Bedürfnissen des Säuglings perfekt an und sorgt zudem für eine gesunde Entwicklung, da sie ein wahres Superfood für das Baby ist.

Weitere Informationen rund um das Thema Stillen findest du hier.

Referenzen:

Karall D. Stillen und Stillberatung. Monatsschrift Kinderheilkunde 2020; 168: 547–560.

Gresens R. Intuitives Stillen. München: Kösel-Verlag; 2016.

Kunz C L. Re-evaluation of the whey protein/casein ratio of human milk. Acta Paediatr 1992; 81(2):107-12.

Parnnaraj P. Association Between Breast Milk Bacterial Communities and Establishment and Development of the Infant Gut Microbiome. Jama Pediatr 2017; 171(7): 647-654.

Poßner. Die Dynamik der Muttermilch und Anpassung an die Bedürfnisse des Kindes. Pädiatrie und Pädologie 2018; 53: 124- 127.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

You may also like

Wenn es nach den meisten Kindern gehen würde, würden Süßigkeiten auf dem Speiseplan immer ganz oben stehen. Keine Frage: Schokoriegel, Kekse und Co. sind äußerst lecker, aber gerade für Kinder nur in Maßen geeignet. Doch wie viel Zucker ist für Kinder überhaupt noch gesund?