Zu Beginn kann das Stillen mit sehr viel Unsicherheiten verbunden sein. Wir geben dir als Richtwert ein paar Empfehlungen, wie lange und wie oft Du stillen solltest, damit du gut informiert und entspannt in die Stillzeit starten kannst!

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Richtig Stillen – Optimale Stilldauer und Stillmenge 

Gerade am Anfang sind Mütter verunsichert, wie oft sie ihr Kind an die Brust legen sollten. Es ist deswegen hilfreich, sich bereits in der Schwangerschaft auf das Stillen vorzubereiten, um mehr Sicherheit zu bekommen. Wegen Zeitmangel kann nicht jedes Krankenhaus frischgebackene Mütter beim Stillen so unterstützen, wie sie es vielleicht gerade in der Anfangszeit benötigen. Es hilft, von Anfang an eine babyfreundliche Klinik zu wählen, um bestmöglich unterstützt zu werden und sich Zeit zum Stillen nehmen zu können. Das ist nämlich enorm wichtig, denn Stillen ist ein Prozess, der unter Stress und Anspannung schlechter funktionieren kann. Je entspannter Mutter und Baby sind, umso angenehmer gestaltet sich das Stillen. Natürlich ist das im Neugeborenen-Trubel leichter gesagt als getan. Zu Beginn kann das Stillen mit sehr viel Unsicherheiten verbunden sein. Lass Dir jedoch gesagt sein: Mit jedem Tag kommt auch mehr Routine! 

Wie lange sollte ich stillen?

Muss ich anlegen, wenn das Baby schreit? Trinkt das Baby auch wirklich genug? Gerade beim ersten Kind stellt man sich eine Frage nach der anderen, denn seitdem das kleine Wesen auf der Welt ist, ist alles komplett neu und zunächst unbekannt.

Nach Empfehlungen der Nationalen Stillkommission sollten Kinder mindestens bis zum Beginn des sechsten Monats ausschließlich gestillt werden. Ab diesem Zeitpunkt kann langsam Beikost zugefüttert werden, spätestens wird dies ab dem siebten Monat empfohlen. Hier gilt aber: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und sollte bereit dazu sein. Auch nach Einführung der Beikost sollten Kinder weiter gestillt werden, bis sie circa ein Jahr alt sind. Die WHO empfiehlt, für eine bestmögliche Entwicklung parallel zur Beikost sogar bis zum zweiten Lebensjahr zu stillen.

Hierbei muss erwähnt werden, dass es keine maximale Stilldauer gibt, jede Mutter kann selbst bestimmen, ob und wie lange sie stillen möchte. Zwar stillen in Deutschland über 90 % der Frauen nach der Geburt, allerdings ist laut Studien ein rapider Abfall der Stillrate ab dem zweiten Monat zu verzeichnen. Ab dem sechsten Monat werden im Schnitt nur noch 50 % der Kinder gestillt. Im Vergleich der letzten zehn Jahre ist sogar ein abnehmender Trend der Stillrate zu beobachten, was mitunter mit der beruflichen Situation vieler Mütter zu tun haben kann.

Was spricht für längeres Stillen mit Muttermilch?

Viele Eltern greifen auf industriell hergestellte Milch zurück. Dies ist keineswegs verwerflich, allerdings wird aufgrund der unkopierbaren und gesundheitsfördernden Zusammensetzung von Muttermilch nachdrücklich zum Stillen empfohlen. 

Muttermilch passt sich genau an die Bedürfnisse des Säuglings an und hat zahlreiche gesundheitliche Vorteile, weswegen so lange wie möglich gestillt werden sollte. Laut WHO werden weltweit nur etwa 44 % aller null bis sechs Monate alten Kinder optimal gestillt, dabei hat Stillen auch gesundheitliche Vorteile für Mütter: Beispielsweise wird das Risiko, an Brustkrebs oder Diabetes zu erkranken, deutlich gesenkt.

Studien haben ergeben, dass länger gestillte Kinder seltener an Übergewicht und Allergien leiden als nicht gestillte Kinder. Langzeitstillen wirkt sich zudem positiv auf die Kieferstruktur von Kindern aus: Beispielsweise kann ein offener Biss verhindert werden, wenn das Saugbedürfnis des Kindes an der Brust und nicht an Daumen oder Schnullern befriedigt wird. Da Muttermilch protektive Effekte auf das Immunsystem des Kindes hat, erleiden länger gestillte Kinder seltener Infektionen. Sogar das Risiko, an bestimmten Krebserkrankungen wie lymphatischer Leukämie oder Hodgkin-Lymphom zu erkranken, ist durch Langzeitstillen über den sechsten Monat hinaus erwiesenermaßen gesenkt.

Die optimale Stillmenge

Die Frage, wie lang gestillt werden sollte, wurde nun geklärt, aber wie sieht es mit dem „wie oft“ und „wie viel“ aus? Gerade am Anfang sehen sich viele frischgebackene Eltern mit Unsicherheiten konfrontiert, was die optimale Trinkmenge des Säuglings angeht. 

Ein Baby sollte immer nach Bedarf gestillt werden. Dieser ist von Kind zu Kind und je nach Entwicklungsphase allerdings unterschiedlich. Es gibt keinen festen Wert, wie oft und in welchen Zeitabständen man ein Kind an die Brust legen sollte. Da der Magen eines Neugeborenen etwa die Größe einer Kirsche hat, stehen vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt sehr viele kleinere Mahlzeiten auf dem Programm. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt kann es sein, dass das Baby praktisch dauerhaft an die Brust angelegt ist. Dies ist positiv für die Milchbildung und gibt dem Neugeborenen Geborgenheit.

In der ersten Zeit kann es durchaus sein, dass das Neugeborene bereits fünf Minuten nach dem letzten Stillen wieder Hunger hat. In dieser Zeit ist es ratsam, dass Du Dein Baby eher zu viel als zu wenig an die Brust anlegst. Bei Neugeborenen liegt die Trinkmenge pro Mahlzeit bei 2 bis 20 ml und steigert sich täglich um etwa 10 ml. Wird ein Baby ausschließlich gestillt, trinkt es täglich etwa 1/6 seines Gewichtes an Muttermilch. Dieser Wert kann jedoch, je nach Kind, völlig unterschiedlich ausfallen. Im Schnitt bekommt das Baby acht bis 13 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden. Eine Stillmahlzeit dauert normalerweise zwischen 13 und 60 Minuten. Babys hören automatisch auf zu trinken, wenn sie satt sind und docken sich selbst von der Brust ab. Manchmal wird auch nach Bedarf der Mutter gestillt, z.B. wenn die Brust voll ist und geleert werden muss.

Cluster-Feeding – Wenn das Baby ständig an die Brust will

Es gibt Babys, die nach dem Stillen eine kurze Pause machen und dann direkt wieder an die Brust möchten. Viele Mütter sind zunächst besorgt, dass das Kind nicht ausreichend mit Milch versorgt wird und einen höheren Bedarf hat. Dieses Phänomen ist unter dem Namen „Cluster-Feeding“ bekannt und völlig harmlos. 

Muttermilch ist im Schnitt zwischen 60 und 90 Minuten verdaut, Babys bekommen also relativ schnell wieder Hunger. Je nach Wachstumsphase ist der Nährstoff- und Energiebedarf bei Babys allerdings besonders hoch, vor allem in den ersten Wochen. Dieses gesteigerte Trinkverhalten ist vor allem abends zu beobachten. Experten gehen davon aus, dass Babys sich Vorräte für den Schlaf „antrinken“, auch wenn vor allem in der Anfangszeit die wenigsten Babys durchschlafen. Etwa 64 % aller Babys werden tagsüber und auch in der Nacht gestillt. 

Cluster-Feeding ist meist nur eine Phase, die in den ersten Wochen auftritt. Da das Baby oft nach wenigen Minuten kurz an der Brust einnickt und sofort mit einem Hungergefühl wieder wach wird, empfiehlt es sich, bequem zu sitzen. Als Mutter ist es sinnvoll, es dem Baby gleich zu tun und diese Zeit ebenfalls zum Dösen zu nutzen, denn diese Stillmarathons können anstrengend sein. Achte am besten darauf, dass Dein Kind z.B. durch ein Stillkissen gut gesichert ist und nicht aus Deinen Armen fallen kann, falls Du versehentlich auch einschläfst. Auch ist es hilfreich, etwas Essbares wie einen Müsliriegel in Griffweite zu haben, um das Baby nicht zu wecken. Auch Getränke in Reichweite sind wichtig, denn Stillen macht Durst. Viele Mütter vergessen bei dem ganzen Trubel um ihr Neugeborenes nämlich eine wichtige Sache: Auch sie selbst müssen gut versorgt werden!

Wie merke ich, ob mein Kind Hunger hat?

Eines der gängigsten, aber auch ein zu spätes Signal, ist das Weinen des Kindes. Es gibt allerdings gewisse Hungerzeichen, die schon früher erkennen lassen, ob ein Baby an die Brust möchte. Hungerzeichen können sein:

  • Das Baby leckt sich mit der Zunge über die Lippen oder streckt die Zunge heraus.
  • Es wirkt ruhelos und dreht den Kopf hin und her (Suchbewegung).
  • Das Kind macht Sauggeräusche oder saugt an seinem Daumen oder der Hand.
  • Das Baby streckt sich und bewegt sich relativ viel.
  • Die Augen des Kindes sind viel in Bewegung.

Je früher man Hungerzeichen erkennt, desto entspannter gestaltet sich das Anlegen. Ein schreiendes Baby muss nämlich erstmal beruhigt werden, bis es gestillt werden kann, da es manchmal die Brustwarze vor lauter Aufregung nicht richtig umfassen kann. Hier gilt: Das Kind beim Versuch anzulegen beruhigen, ausgiebig kuscheln und streicheln – jedoch nicht zu lang, denn Hunger kann sehr ungeduldig machen!

Generell gilt: Hör auf die Zeichen, die Dein Baby Dir gibt – seien es Hungersignale oder Zeichen, dass es satt ist. Du wirst mit der Zeit immer besser werden, diese kleinen Signale zu deuten! Bei Unsicherheiten ziehe Deine Hebamme oder Stillberaterin zu Rate, auch Stillgruppen empfehlen sich, um sich mit anderen Eltern auszutauschen. 

Referenzen:

Bener et al. Does prolonged breastfeeding reduce the risk for childhood leukemia and lymphomas? Minerva Pediatr 2008; 60(2):155-61.

Bund für Risikobewertung, Nationale Stillkommission. Weiterhin 4 bis 6 Monate ausschließlich stillen. 30.04.2015 [zitiert am 26.05.2021]. URL: https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2015/12/nationale_stillkommission__weiterhin_4_bis_6_monate_ausschliesslich_stillen-194091.html#:~:text=Die%20Nationale%20Stillkommission%20(NSK)%20am,Monats%20ausschlie%C3%9Flich%20gestillt%20werden.

World Health Organization. Infant and young child feeding. 09.06.2021 [zitiert am 20.06.2021]. URL: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding

Li DP et al. Breastfeeding and ovarian cancer risk: a systematic review and meta-analysis of 40 epidemiological studies.  Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 2014; 15 1: 4829-483.

World Health Organization. The optimal duration of exclusive Breastfeeding. Report of an expert consultation. 2001.

Kent JC et al. Breast volume and milk production during extended lactation in women. 1999.

Weissenborn et al. Stillhäufigkeit und Stilldauer in Deutschland – eine systematische Übersicht. Gesundheitswesen 2016; 78(11): 695-707.

Robert Koch Institut. Vor und nach der Geburt. Themenblatt Stillen. 2020.

Peres et al. Breastfeeding and Oral Health: Evidence and methodological challenges. Journal of dental resaerch 2018; 97(3): 251-258.

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Muttermilch ist die gesündeste Art, Babys zu ernähren. Leider kann aus unterschiedlichen Gründen nicht jede Mutter ihr Kind stillen. Um andere Mütter zu unterstützen und ihnen den Zugang zu gesunder Muttermilch zu ermöglichen, gibt es die Möglichkeit, Muttermilch zu spenden.