Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Frühgeburt. Was ist eine Frühgeburt? Wie kommt sie zustande und was gibt es für Risikofaktoren?

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Was ist eine Frühgeburt?

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Baby vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblickt. In Deutschland machen Frühgeburten etwa 9% aller Geburten aus. Frühchen wiegen in der Regel weniger als 2500 Gramm und werden nach Schwangerschaftswoche und Gewicht in 3 Kategorien eingeteilt:

  • Extreme Frühchen: Geburt vor Vollendung der 28. SSW oder Gewicht unter 1000 Gramm
  • Sehr frühe Frühchen: Geburt vor Vollendung der 32. SSW oder Gewicht unter 1500 Gramm
  • Mäßig frühe Frühchen: Geburt vor Vollendung der 37. SSW oder Gewicht unter 2500 Gramm

Anzeichen einer Frühgeburt

  • Frühzeitig einsetzende Wehen

Eine Frühgeburt kündigt sich durch frühzeitig einsetzende Wehen an. Ein leichtes Zusammenziehen der Gebärmutter in den letzten Schwangerschaftswochen ist normal: der Körper bereitet sich mit diesen sogenannten „Übungswehen“ auf die bevorstehende Geburt vor. Diese Wehen sind allerdings relativ schwach und treten nur in großen Abständen auf. Verdacht auf eine Frühgeburt besteht erst, wenn du die Wehen öfter als dreimal stündlich spürst. In diesem Fall solltest Du einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. In der Klinik wird die Geburt je nach Schwangerschaftszeitpunkt und Gesundheitszustand von Mutter und Kind entweder eingeleitet oder noch hinausgezögert. 

  • Frühzeitiges Platzen der Fruchtblase

Bei einem Platzen der Fruchtblase, einem sogenannten Blasensprung, ist die Infektionsgefahr für Mutter und Kind deutlich erhöht. Deshalb sollte die Geburt nach einem frühzeitigen Blasensprung innerhalb von zwölf bis 24 Stunden eingeleitet werden, wenn die Schwangerschaft bereits mindestens 34 Wochen andauert. Falls die Fruchtblase vor Vollendung der 34. Schwangerschaftswoche platzt, wird die Geburt in der Regel noch etwas hinausgezögert, da sich die Lungen des Babys zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig entwickelt haben. Hier ist jedoch eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus unbedingt erforderlich, um auftretende Infektionen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Bei einem frühzeitigen Platzen der Fruchtblase solltest Du also sofort einen Krankenwagen rufen, damit Du liegend in eine Klinik gebracht werden kannst.

  • Blutungen

In den seltensten Fällen kann es zu einer mehr als periodenstarken Blutung in der Schwangerschaft kommen. Dies ist immer ein Zeichen, um schnellstmöglich in die Klinik zu fahren. 

Ursachen und Risikofaktoren einer Frühgeburt 

Nicht immer kann eine genaue Ursache für die frühzeitig einsetzenden Wehen festgestellt werden. Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die häufig in Verbindung mit einer Frühgeburt stehen und somit mögliche Ursachen und Risikofaktoren darstellen. 

  • Urogenitale Infektionen

Eine häufige Ursache sind beispielsweise urogenitale Infektionen. Hierbei handelt es sich um bakterielle Infektionen der Scheide oder der Harnwege (Blasenentzündung), die durch allgemeine Immunschwäche ausgelöst werden und sich durch Juckreiz oder Schmerzen beim Wasserlassen äußern können. Um solche Infektionen rechtzeitig zu erkennen und behandeln, sollten in der Schwangerschaft regelmäßig Urintests und Vaginalabstriche durchgeführt werden. Achte darauf, wenn überhaupt nötig, ph-neutrale Seifen und Cremes ohne Parfüm und Duftstoffe im Intimbereich zu benutzen. Trage Baumwoll Unterwäsche und vermeide Dampfbäder und Whirlpools in Thermen. 

  • Fehlbildungen der Gebärmutter

Des Weiteren können Fehlbildungen der Gebärmutter eine Frühgeburt verursachen. Diese sogenannten Uterusanomalien, bei denen die Gebärmutter eine von der Norm abweichende Form aufweist, können angeboren sein oder im Lauf des Lebens entstehen. Auch gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskelschicht (Myome) können vorkommen und sich während der Schwangerschaft noch weiter vergrößern. Diese Fehlbildungen oder Myome führen manchmal dazu, dass das Baby schon Wochen vor dem Geburtstermin nicht mehr ausreichend Platz hat und sich die Gebärmutter deshalb frühzeitig zusammenzieht und die Wehen einsetzen. 

  • Zervixinsuffizienz (Gebärmutterhalsschwäche)

Eine weitere mögliche Ursache für eine Frühgeburt sind Zervixinsuffizienzen, also Schwächen des Gebärmutterhalses. Der Gebärmutterhals ist eine Art Verschlussapparat, der dafür sorgt, dass der Muttermund während der Schwangerschaft geschlossen bleibt. Dafür muss der Gebärmutterhals eine gewisse Länge haben, normalerweise ca. 3 bis 4 cm. Bei einer Zervixinsuffizienz ist der Gebärmutterhals kürzer und weicher und kann deshalb seine Funktion als Verschlussapparat nicht ausreichend erfüllen. Es kommt zu einem frühzeitigen Öffnen des Muttermunds. 

Nicht immer kann ein Grund für die Gebärmutterhalsschwäche gefunden werden, doch es gibt eine Reihe von Risikofaktoren: so gehen beispielsweise Mehrlingsschwangerschaften mit einem erhöhten Risiko einher. Auch ein vorheriger Schwangerschaftsabbruch, eine vorherige problematische Geburt oder vorherige Gebärmutter-Operationen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten der Zervixinsuffizienz. 

  • Plazentainsuffizienz (Mutterkuchenschwäche)

Nicht nur der Gebärmutterhals, sondern auch der Mutterkuchen (die Plazenta) kann eine Schwäche aufweisen. Die Plazenta ist über die Nabelschnur mit dem ungeborenen Kind verbunden und versorgt es so mit wichtigen Nährstoffen. Bei einer Schwäche der Plazenta, einer sogenannten Plazentainsuffizienz, kommt es also zu einer Mangelversorgung des Babys. Das kann aufgrund des daraus resultierenden Sauerstoffmangels schnell lebensbedrohlich für den Fetus werden. 

Ursache für eine Plazentainsuffizienz kann beispielsweise eine starke Verkalkung der Plazenta sein. Dass die Plazenta gegen Ende der Schwangerschaft leicht verkalkt, ist vollkommen normal und kein Grund zur Sorge: es handelt sich um einen natürlichen Alterungsprozess des Organs. Ist die Verkalkung jedoch zu stark ausgeprägt, kann das die Versorgung des Kindes stören und zu einer Plazentainsuffizienz führen. 

Von den Müttern wird eine Plazentainsuffizienz oft nicht bemerkt, bei den Vorsorgeuntersuchungen sollte sie aber im Ultraschall entdeckt werden. Als Risikofaktoren für eine Plazentainsuffizienz gelten Rauchen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft sowie bestimmte Vorerkrankungen der Mutter, beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck.

  • Bewusstes Einleiten einer Frühgeburt (z.B. bei Eklampsie)

In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass eine Frühgeburt bewusst eingeleitet wird, wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet ist. Hier werden die Risiken immer genau gegeneinander abgewogen: normalerweise versucht man vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche, die Geburt noch so weit wie möglich hinauszuzögern, um die bestmögliche Entwicklung des Babys zu garantieren. Doch manchmal besteht eine so große Gefahr für die Gesundheit von Mutter oder Kind, dass eine Beendigung der Schwangerschaft die einzige Möglichkeit ist. Das ist zum Beispiel bei einer schweren Form der Präeklampsie der Fall, auch als „Schwangerschaftsvergiftung“ bekannt. Die Präeklampsie ist eine Schwangerschaftserkrankung, die ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten kann und sich durch Bluthochdruck, erhöhte Eiweißwerte im Urin und Schwellungen an Gesicht, Händen und Füßen äußert. Bei schweren Verläufen kann sich aus einer Präeklampsie eine Eklampsie entwickeln, die zusätzlich unter anderem starke Kopfschmerzen und Krampfanfälle verursachen kann und eine lebensbedrohliche Situation für Mutter und Kind darstellt. In diesem Fall muss die Schwangerschaft in der Regel sofort durch einen Kaiserschnitt beendet werden. 

Prävention 

Auch wenn sich die mit einer Schwangerschaft einhergehenden Risiken nie gänzlich ausschließen lassen, treten schwerwiegende Komplikationen doch glücklicherweise sehr selten auf und mit einer Reihe von Verhaltensweisen lassen sich die Risiken noch weiter minimieren. 

Indem Du während deiner Schwangerschaft auf Rauchen und Alkohol verzichtest, Dich gesund und ausgewogen ernährst und übermäßige körperliche und psychische Belastungen so weit wie möglich vermeidest, reduzierst Du das Risiko einer Frühgeburt bereits deutlich. Regelmäßige körperliche Bewegung stellt jedoch keine Gefahr dar, sondern wird sogar empfohlen und kann auch zur Gesundheit von Mutter und Kind und somit zur Prävention von Frühgeburten beitragen.

Während der Schwangerschaft bist Du für Dich selbst und Dein ungeborenes Kind verantwortlich. Alles, was Du tust, kann die Entwicklung und Gesundheit Deines Babys beeinflussen. Wenn Du also auf deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden achtest, tust Du damit nicht nur Dir selbst, sondern auch Deinem Kind einen großen Gefallen.

Ebenfalls wichtig sind die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Die Untersuchungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass auftretende Probleme und Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden können und reduzieren somit das Risiko einer Frühgeburt. 

Die wichtigsten Tipps nochmal zusammengefasst:

  • Rauche nicht
  • Verzichte auf Alkohol
  • Ernähre Dich gesund und ausgewogen
  • Regelmäßige moderate körperliche Bewegung (Richtlinie: mindestens 30 Minuten pro Tag an mindestens fünf Tagen pro Woche)
  • Vermeide übermäßige körperliche und psychische Belastung
  • Achten auf Deine Gesundheit
  • Geh zu den Vorsorgeuntersuchungen

Risikoschwangerschaft

Besonders wenn Deine Schwangerschaft als „Risikoschwangerschaft“ gilt, ist eine engmaschige medizinische Überwachung der Schwangerschaft von zentraler Bedeutung, um Risiken zu minimieren und eine bestmögliche Entwicklung Deines Kindes zu gewährleisten. In einer Risikoschwangerschaft müssen nicht zwangsläufig Komplikationen eintreten, es besteht aber ein erhöhtes Risiko, weshalb hier eine besonders intensive Vorsorge erforderlich ist.

Die häufigsten Kriterien, bei denen eine Schwangerschaft als „Risikoschwangerschaft“ eingestuft wird, sind folgende:

  • Alter der Schwangeren unter 18 oder über 35 Jahren
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Komplikationen bei vorherigen Schwangerschaften
  • Vorheriger Kaiserschnitt, vorherige Früh- oder Fehlgeburt
  • Chronische Erkrankungen der Schwangeren, zum Beispiel
    • Diabetes
    • Bluthochdruck
    • Herzerkrankungen
    • Asthma
    • Epilepsie
    • Schilddrüsenerkrankungen
    • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Erbkrankheiten in der Familie

Referenzen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Wenn ein Kind unreif zur Welt kommt. o.J. [zuletzt zitiert am 29.09.2021]. URL: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/fruehgeburt/

Goldenberg RL, Culhane JF, Iams JD, Romero R. Epidemiology and causes of preterm birth. Lancet. 2008 Jan 5;371(9606):75-84. doi: 10.1016/S0140-6736(08)60074-4. PMID: 18177778; PMCID: PMC7134569.

Daskalakis, G, Goya, M, Pergialiotis, V. et al. Prevention of spontaneous preterm birth. Arch Gynecol Obstet 2019; 299: 1261–1273. 

https://doi.org/10.1007/s00404-019-05095-y

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