Zu viel erlebter Stress in der Schwangerschaft kann mit negativen Konsequenzen für die Gesundheit von Mutter und Kind verbunden sein. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, wie Du Stress effektiv reduzieren kannst. In diesem Artikel stellen wir Dir wissenschaftlich fundierte Methoden vor, die Dir dabei helfen können, erfolgreich mit erlebten  Belastungen umzugehen.

Teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Wie wirkt sich Stress in der Schwangerschaft auf die Entwicklung aus?

Als werdende Mutter ist Dein Kopf zurzeit voller Fragen: Was muss ich für eine gesunde Ernährung beachten? Was sollte ich über den Geburtsvorgang wissen? Was ist für die Planung für die Zeit nach der Geburt von Bedeutung? Du willst die bestmöglichen Voraussetzungen für eine optimale Entwicklung Deines Kindes schaffen. Jedoch hast Du viele unbeantwortete Fragen für die Zeit vor und nach der Geburt. Glücklicherweise liefern Studien aus den Bereichen der Medizin und Psychologie umfassende Erkenntnisse, wie die Gesundheit Deines Kindes sowohl vor als auch nach der Geburt bestmöglich gefördert werden kann.

Die vorgeburtliche (pränatale) Entwicklung Deines Babys ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele unterschiedlichen Faktoren für die gesunde Entwicklung des Kindes eine Rolle spielen.

Nicht nur die körperliche Gesundheit der Mutter einschließlich einer gesunden Ernährungsweise in der Schwangerschaft spielt eine große Rolle für die Gesundheit des Babys. Auch die Bedeutung des emotionalen Zustandes der Mutter darf nicht unterschätzt werden. So liefern wissenschaftliche Studien Belege, dass die von der Mutter erlebten Emotionen während der Schwangerschaft die Gesundheit des Kindes beeinflussen können.

Die Zeit während der Schwangerschaft ist für viele mit viel Stress verbunden

Eine Schwangerschaft ist, wenn es sich um die erste handelt, für werdende Mütter eine komplett neue Erfahrung. Daher ist es ganz natürlich, dass die vielen Veränderungen nie zuvor dagewesene Ängste und Sorgen auslösen. So ist die werdende Mutter während der Schwangerschaft unter anderem mit starken körperlichen Veränderungen und Sorgen bezüglich des Geburtsvorgangs und der Gesundheit des Babys konfrontiert. Fühlt sich die werdende Mutter gestresst, werden unterschiedliche Hormone, wie Adrenalin oder Cortisol, vermehrt ausgeschüttet.

In einem angemessenen Ausmaß führt dies dazu, dass Dein Körper besser mit Stressoren in der Umwelt und körperlichen Veränderungen umgehen kann. Jedoch kann ein sehr starkes Stresserleben, verbunden mit einem hohen Level von Stresshormonen, mit negativen Konsequenzen für die Gesundheit der Mutter und des Kindes verbunden sein. Auch wenn einiges geplant und vorbereitet werden muss: Auch das eigene Wohlergehen hat eine hohe Priorität. So kann es zum Beispiel hilfreich sein, sich  auch mal einen ruhigen Moment für sich nehmen, um sich zu entspannen.

Zu viel Stress während der Schwangerschaft kann die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen

Wissenschaftliche Studien belegen, dass viel Stress während der Schwangerschaft die Entwicklung des Babys im Bauch der Mutter sowie das Wohlergehen der Mutter beeinträchtigen kann. Dabei spielt das Stresshormon Cortisol eine Rolle. Cortisol hat einen natürlichen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Es wird in die Blutbahn der Mutter ausgeschüttet, passiert die Plazenta und wirkt so auf die Entwicklung des Kindes ein. Eine sehr hohe Cortisolzufuhr kann allerdings zu einer Beeinträchtigung des Nervensystems des Kindes führen. Dabei sind die Konsequenzen abhängig von dem Zeitpunkt des Stresserlebens im Verlauf der Schwangerschaft sowie der Dauer und Intensität des erlebten Stresses.

Mögliche Konsequenzen von hohem Stresserleben für die Mutter:

  • Spannungsgefühle,
  • Kopfschmerzen,
  • Muskelkrämpfe,
  • Schlafstörungen,
  • Erschöpfung,
  • Konzentrationsprobleme.

Mögliche Konsequenzen von hohem Stresserleben für das Kind:

  • erhöhtes Risiko einer Frühgeburt,
  • geringes Geburtsgewicht,
  • erhöhte Ängstlichkeit im Säuglings- und Kindesalter,
  • eingeschränkte Aufmerksamkeitsfähigkeit im Kindesalter,
  • Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter.

Wissenschaftlich fundierte Strategien können dabei helfen, Stress in der Schwangerschaft zu reduzieren

Da das Erleben von zu viel Stress in der Schwangerschaft eine Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind darstellen kann, ist es wichtig zu wissen, wie Du gezielt Stress abbauen kannst. Die folgenden wissenschaftlich fundierten Strategien und Methoden können Dir dabei helfen, Stress zu reduzieren und Entspannung fördern.

  1. Sport

Viele Frauen scheuen sich davor, während der Schwangerschaft sportlichen Aktivitäten nachzugehen, da sie fürchten, dass dies mit Risiken für die Gesundheit des Kindes verbunden sein könnte. Jedoch sind sich Ärzte weitgehend einig, dass moderate körperliche Aktivität während der Schwangerschaft mit positiven Effekten für die Entwicklung des Kindes und die Gesundheit der Mutter verbunden ist. So empfiehlt das American College of Obstetrics and Gynecologists an den meisten oder allen Tagen, moderaten körperlichen Aktivitäten nachzugehen. Dabei sollten jedoch bestimmte Sportarten, die das Kind gefährden könnten, vermieden werden. Hier findest du einen detaillierten Überblick, welche Sportarten in der Schwangerschaft geeignet sind, und welche du besser meiden solltest. 

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (englisch: mindlfullness based stress reduction, MBSR)

Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion ist ein Meditationsprogramm, das die aus dem Buddhismus entstammende Achtsamkeitsmeditation mit aktuellen psychologischen Praktiken vereint. Meditationstrainings zielen auf die Entwicklung eines achtsamen (englisch: mindful) mentalen Zustandes ab. Dadurch soll es der meditierenden Person ermöglicht werden, die Fähigkeit zu entwickeln, den eigenen Gedanken und Erlebnissen unvoreingenommen, neugierig und akzeptierend gegenüber zu stehen. Die Fähigkeit, diesen mentalen Zustand zu erreichen, ist mit der Reduzierung von Stress, auch bei Schwangeren, verbunden. So konnte zum Beispiel bei Frauen, die acht Wochen lang regelmäßig ein Achtsamkeitstraining praktizierten, ein geringeres Erleben von Stress und Sorgen nachgewiesen werden. Gerne kannst Du die Meditation auch mit einer Schwangerschafts- oder Geburtsvorbereitende Mediation (z.B. Hypnobirth) verbinden. 

  1. Berührungstherapien

Studien aus dem Bereich der Medizin belegen die positive Wirkung von unterschiedlichen Berührungstherapien. Beispielsweise können Rückenmassagen oder Fußreflexzonenmassagen Stress während der Schwangerschaft reduzieren. Durch Berührungsmassagen wird die Aktivität des Nervus Vagus, der für die Regulation von unterschiedlichen inneren Organen eine Rolle spielt, stimuliert. Dessen erhöhte Aktivität führt zu einer Verminderung der Cortisolausschüttung. Dies führt unter anderem dazu, dass das Wachstum des Babys im Bauch der Mutter angeregt wird. Zudem konnte ein positiver Effekt von unterschiedlichen Therapieformen aus der Komplementär- und Alternativmedizin, wie zum Beispiel Akupunktur, Massage oder Akupressur nachgewiesen werden. Diese führen erwiesenermaßen zu mehr Entspannung und weniger Stress und einer verbesserten Schlafqualität während der Schwangerschaft.

Durch die Anwendung der unterschiedlichen Strategien kannst Du einen aktiven Beitrag zu der Reduktion von Stress leisten

Die Gefahren, die aus zu viel Stress in der Schwangerschaft resultieren können, erscheinen zunächst beängstigend. Jedoch kannst Du diesen Gefahren effektiv entgegenwirken, indem Du gut auf die Signale hörst, die Dein Körper Dir sendet. Du kannst entsprechende Maßnahmen ergreifen, um Stress zu reduzieren und auf Dich selber zu achten. Die in diesem Artikel vorgestellten Methoden haben einen erwiesenen Effekt auf die Reduzierung von Stress und können Dir dabei helfen, die schöne und aufregende Zeit während der Schwangerschaft zu genießen und der Ankunft des Neuzugangs in eurer Familie voller Freude entgegenzublicken.

Hier noch einmal das Wichtigste im Überblick:

  • Mäßiger Stress, das heißt Stress der in einem normalen Ausmaß erlebt wird, stellt keine Gefahr für Deine Gesundheit oder die Deines Kindes dar.
  • Ein sehr starkes Stresserleben in der Schwangerschaft kann allerdings mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind verbunden sein.
  • Daher solltest Du stets auf Deine eigenen Empfindungen achten, damit Du es schnell erkennst, sobald Dein Stresslevel ein ungesundes Ausmaß erreicht.
  • Wissenschaftlich fundierte Methoden, zum Beispiel moderate körperliche Betätigungen, das Praktizieren von Meditation sowie Berührungstherapien, können dabei helfen, das Erleben von Stress effektiv zu reduzieren.

Referenzen:

Davis EP, Glynn LM, Waffarn F, Sandman CA. Prenatal maternal stress programs infant stress regulation. Journal of Child Psychology and Psychiatry 2011; 52: 119-129. https://doi.org/10.1111/j.1469-7610.2010.02314.x

Bergman K, Sarkar P, Oconnor TG, Modi N, Glover V. Maternal Stress During Pregnancy Predicts Cognitive Ability and Fearfulness in Infancy. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry 2007; 46(11): 1454-1463. doi:10.1097/chi.0b013e31814a62f6

Jia-Yuan Zhang, Yu-Xia Cui, Yu-Qiu Zhou, Ying-Li Li. Effects of mindfulness-based stress reduction on prenatal stress, anxiety and depression, Psychology, Health & Medicine 2019; 24:1, 51-58, DOI: 10.1080/13548506.2018.1468028

Lobel M, Cannella D L, Graham JE, DeVincent C, Schneider J, Meyer BA. Pregnancy-specific stress, prenatal health behaviors, and birth outcomes. Health Psychology 2008; 27(5): 604–615. https://doi.org/10.1037/a0013242

Poudevigne MS, O’Connor PJ. A Review of Physical Activity Patterns in Pregnant Women and Their Relationship to Psychological Health. Sports Med 2006; 36: 19–38. https://doi.org/10.2165/00007256-200636010-00003

Tiran D, Chummun H. Complementary therapies to reduce physiological stress in pregnancy. Complementary Therapies in Nursing and Midwifery 2004. 10(3): 162-167. doi:10.1016/j.ctnm.2004.03.006

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

You may also like

Wenn es nach den meisten Kindern gehen würde, würden Süßigkeiten auf dem Speiseplan immer ganz oben stehen. Keine Frage: Schokoriegel, Kekse und Co. sind äußerst lecker, aber gerade für Kinder nur in Maßen geeignet. Doch wie viel Zucker ist für Kinder überhaupt noch gesund?