Nach einem Kaiserschnitt kann man sein Kind in der Regel ohne Probleme stillen, allerdings treten oft mehr Startschwierigkeiten auf als bei einer normalen Geburt. Wir geben dir einen Überblick, welche Hürden auftreten können und wie man diese am besten bewältigt.

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In Deutschland kommt statistisch jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Ein Kaiserschnitt ist zwar ein gängiger, jedoch auch ein massiver Eingriff, von dem sich Mütter einige Tage erholen müssen. In der Regel dürfen sie bereits wenige Stunden nach dem Eingriff mit ihrem Baby auf das Wöchnerinnenzimmer zurückkehren. Nach einem solchen Eingriff kann man sein Kind trotzdem ohne Probleme stillen, allerdings treten oft mehr Startschwierigkeiten auf als bei einer normalen Geburt. Wir geben Dir einen Überblick, welche Hürden auftreten können und wie man diese am besten bewältigt.

Mütter sind nach dem Eingriff angeschlagen und bewegungsunfähig

Frischgebackene Mütter sind nach einem Eingriff gleich doppelt belastet: Nach der Bauch-OP muss der Körper sich nicht nur erholen, es wird zudem eine hohe Anpassungsleistung nach der Schwangerschaft an ihn gestellt. Hormon- und Stoffwechselvorgänge und die Milchproduktion halten den Körper in dieser Zeit zusätzlich ganz schön auf Trab!

Damit Mütter sich schneller erholen können, wird in der Regel Schmerzmittel gegeben. Die Klammern und Fäden der OP-Wunde werden nach wenigen Tagen entfernt. Durch die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt sind Mütter besonders auf Hilfe angewiesen, um ihr Kind zu versorgen. Auch wenn in den ersten Tagen Medikamente gegeben werden, kann ohne Probleme gestillt werden. 

Achte bei der Wahl der Klinik darauf, dass diese Sectiobonding praktiziert. Alle Kliniken, die z.B. babyfreundlich sind, aber auch viele weitere in Deutschland, bieten dies in der Regel an. Sectiobonding bedeutet, dass das Baby schon im OP-Saal auf die Brust der Mutter gelegt wird. Dort kann das erste Stillen stattfinden. Bonding ist sehr wichtig für einen guten Stillbeginn. Schon wenige Minuten nach dem Eingriff kann das Kind zum Stillen an die Brust gelegt werden. Eine angenehme Stillposition zu finden kann aufgrund der Schmerzen allerdings gar nicht so einfach sein. Durch eine falsche Halteposition, da Mütter sich meistens nicht richtig aufsetzen können, könnten Stillprobleme begünstigt werden. Hier hilft es, die Hebamme um Hilfe bei der Ausrichtung zu bitten. Eine Stillposition in halb aufgerichteter Seitenlage ist vor allem direkt nach dem Eingriff für Mütter meist am bequemsten. Ein Kissen sollte vor den Bauch gelegt werden, um die OP-Narbe vor Tritten des Babys zu schützen. Kann bereits im Sitzen gestillt werden, ist ein Kissen auf dem Bauch hilfreich, um die Bauchdecke zu entlasten.

Auch zu Hause solltest Du Dir noch viel Ruhe gönnen, denn je entspannter Du bist, desto besser funktioniert auch das Stillen. Vater sowie Freunde oder Verwandte sollten deswegen in den Haushalt eingebunden werden, um Dich zu entlasten. Ist dies nicht möglich, kann bei der Krankenkasse ein Antrag auf eine Haushaltshilfe gestellt werden.

Das Stillen nach Kaiserschnitt kann verzögert stattfinden

Ein Kaiserschnitt ist nichts Natürliches, weswegen der Körper zunächst noch nicht ganz so auf das Neugeborene eingestellt sein kann wie nach einer normalen Geburt. Du musst Deinem Körper unbedingt Zeit geben, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen! Auch das Neugeborene muss sich nach einem Kaiserschnitt noch „einfinden“, weswegen ein direktes Trinken an der Brust in vielen Fällen zunächst erstmal nicht gelingt. Biete trotzdem die Brust so oft wie möglich an, um dem Baby bei der Neuorientierung zu helfen. Narkosemittel und Schmerzmittel können das Baby etwas schläfrig machen. Es kann vorkommen, dass sein intuitives Suchverhalten dadurch verzögert wird und sein Saugreflex an der Brust eher schwächer ausfällt. Hier ist vor allem Geduld gefragt, denn das Baby muss sich zunächst erstmal orientieren! Am besten kuschelst Du so häufig wie nur möglich mit Deinem Kind im Haut-zu-Haut-Kontakt, siehe Bonding. Bis das Neugeborene beginnt, stärker an der Brust zu saugen, kannst Du Deinem Kind abgepumpte oder ausgestrichene Muttermilch anbieten. Narkosemittel sind in der Muttermilch kaum nachweisbar und sind in solch geringen Mengen nachweislich nicht schädlich für das Neugeborene.

Durch den Eingriff kann es vorkommen, dass der Milcheinschuss verzögert eintritt, auch die Milchmenge steigt in vielen Fällen verhältnismäßig langsam an. Dies ist aber kein Grund zur Panik! Bereits in der Schwangerschaft wird die Vormilch (auch Kolostrum genannt) gebildet und steht Deinem Baby quasi sofort zur Verfügung. Der richtige Milcheinschuss und die Übergangsmilch können sich allerdings verspäten. Nach einem Kaiserschnitt kann der Milcheinschuss manchmal sogar erst am fünften Tag einsetzen, anstatt am zweiten oder dritten Tag wie nach einer normalen Geburt. Um die Milchbildung anzuregen, kann die Brust sanft mit der Hand ausgestrichen werden. Ganz viel Bonding kann dabei helfen, dass der Neuzuwachs sich schneller angekommen fühlt. 

Mutter und Kind müssen nach der Geburt unter Umständen getrennt werden

Bei Notkaiserschnitten oder dringender medizinischer Versorgung von Mutter und/oder Kind, kann es vorkommen, dass beide nach der Geburt voneinander getrennt werden müssen. Da das Baby in diesem Fall nicht direkt angelegt werden kann, ist es hilfreich, die Milchbildung trotzdem bereits durch Abpumpen oder Ausstreichen anzuregen. Da vor allem die Erstmilch wichtig für das Neugeborene ist, sollte das Kolostrum aufgefangen werden, um es später dem Neugeborenen vorsichtig z.B. mit einem Löffelchen einzuflößen. Hierbei können Dich die Hebammen und Kinderkrankenschwestern auf der Station unterstützen.

Sind Mutter und Kind wieder vereint, sollte der verpasste Hautkontakt durch ausgiebiges Bonding nachgeholt werden, um die Mutter-Kind-Bindung zu stärken. Da Babys vor allem nach einem Kaiserschnitt sehr viel Körperkontakt benötigen, hilft es zudem auch, wenn Väter das Kind auf ihren nackten Oberkörper legen. 

Was gibt es noch zu beachten?

  • In den ersten sechs Wochen kann es unabhängig davon, ob das Kind per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist, zu leichten Gebärmutterkrämpfen (sogenannte Nachwehen) kommen, welche vor allem beim oder nach dem Stillen auftreten.
  • Auch wenn in den ersten Tagen Schmerzmittel gegeben werden, kann ohne Probleme gestillt werden. Treten nach dem Eingriff Fieber oder Infektionen bei der Mutter auf, muss unter Umständen eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden. Aber auch dies hindert in der Regel nicht daran, das Neugeborene zu stillen, denn auf dem Markt sind mittlerweile viele stillverträgliche Medikamente erhältlich. Ein Arzt oder eine Stillberaterin sollte vorher jedoch immer zu Rate gezogen werden.
  • Du solltest dem Körper viel Ruhe gönnen, damit er sich von der OP erholen kann.  Die Rückbildung der Gebärmutter wird durch Stillen nach dem Kaiserschnitt gefördert. Erste sanfte Rückbildungsübungen für den Beckenboden (z.B. Atemübungen) können nach Rücksprache mit Deiner Hebamme nach wenigen Tagen vorsichtig begonnen werden. Die Rückbildungsgymnastik, wie z.B. Übungen zur Rückbildung der Bauchmuskulatur, sollten jedoch frühestens nach sechs Wochen begonnen werden. Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du schon mit der Rückbildung beginnen kannst, frage bitte Deinen Arzt oder Deine Hebamme.  
  • Entscheide Dich schon vor der Geburt für eine babyfreundliche Klinik, um bestmöglich nach dem Eingriff betreut zu werden.
  • Klappt es zu Hause trotz Beherzigen aller Tipps mit dem Stillen nicht gut, solltest Du Dich an deine Hebamme wenden oder eine Stillberaterin in Deiner Nähe aufsuchen. 

Referenzen

Biddle C. Is it okay to breast feed my baby after anaesthesia? A scientific basis for an informed response. AANA Journal Course 1994; 62(6):537-43.

Statistisches Bundesamt. Anzahl der Kaiserschnitte und Geburten insgesamt in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2018. 2020 [zitiert am 26.05.2021]. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/krankenhausentbindungen-kaiserschnitt.html

Schweizerischer Hebammenverband. Kaiserschnitt. Die Informationsbroschüre der Hebammen, Kinderärzte und Anästhesisten. 2014.

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