Schmerzen beim Stillen treten nicht selten auf und können an den Nerven zehren. Wir erklären Dir, welche Probleme häufig vorkommen und geben Dir Tipps, wie Du das Stillen wieder in vollen Zügen genießen kannst!

Teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Milchstau, Mastitis und Co.: Diese Stillprobleme können auftreten

Eine Frau, die ihr Baby stillt, ist eines der harmonischsten Bilder, das man sich vorstellen kann. Stillen ist mit der richtigen Anlegetechnik natürlich und einfach. Während des Aufbaus der Stillbeziehung können, wie in jeder anderen Beziehung, Probleme auftreten, z.B. Schmerzen beim Stillen. Diese sind aber in aller Regel überwindbar. Vor allem in den ersten drei Monaten kommen viele Mütter immer wieder an den Punkt, an dem sie das Stillen hinterfragen und vorzeitig abstillen möchten. Auch wenn Schmerzen beim Stillen häufig auftreten, ist es wichtig zu wissen, dass sie deswegen nicht normal sind. Schmerzen sind immer ein Warnsignal des Körpers, dem Beachtung geschenkt werden sollte. Ignoriert man diese Signale, kann das Stillen mit negativen Gefühlen verbunden werden und die Ausschüttung von Stresshormonen wird gefördert.

Schmerzen sollten deswegen immer ernst genommen werden und bei Fragen und Unsicherheiten eine Hebamme, Stillberaterin oder ein Arzt zu Rate gezogen werden. Wir erklären Dir, welche Stillprobleme häufig auftreten und geben Dir Hilfestellung, wie Du das Stillen wieder genießen kannst!

Milchstau: 

Bei einem Milchstau ist die Brust stellenweise verhärtet, gerötet und schmerzt, ein leichtes Fieber kann sich einstellen. Er tritt bei rund 18 % aller Stillenden ein und kann aufgrund unterschiedlicher Gründe auftreten:

Typischerweise ist der Stau die Folge von ineffektivem oder zu seltenem Entleeren der Brust. Eine der wichtigsten Grundlagen beim Stillen ist die richtige Anlegetechnik. Vor allem am Anfang, wenn alles noch Neuland ist, kann die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind noch nicht optimal sein. Beide Seiten müssen sich aufeinander einspielen und erst aneinander gewöhnen. Durch falsches Anlegen saugt das Baby nicht richtig an der Brust, was wiederum die Milchgänge nicht ausreichend leert. Mit der Wahl einer babyfreundlichen Klinik, die frischgebackene Mütter besonders intensiv betreuen, kann die richtige Stillposition vom Personal öfter gezeigt werden. Klappt es im Krankenhaus nicht direkt auf Anhieb, sollte nicht zu schnell zugefüttert werden, damit die Stillbeziehung nicht darunter leidet.

Während der Wandlungsphase der Muttermilch kann ein Milchstau ebenfalls häufig vorkommen. Muttermilch ist ein wahrer Anpassungskünstler und verändert vor allem in den ersten Wochen ihre Nährstoffzusammensetzung und Konsistenz. Beim Milcheinschuss hat sich die Muttermilch von der Erst- und Übergangsmilch zur reifen Milch entwickelt. Diese Milch ist in ihrer Zusammensetzung fett- und kalorienhaltiger und auch die Menge verändert sich. In den ersten Tagen kann es sein, dass mehr Milch produziert wird, als das Baby benötigt. Der Körper muss sich hier unter Umständen erstmal an die neue Situation gewöhnen.

Auch in stressigen Phasen kommt ein Milchstau häufiger vor. Achte auf viel Ruhe und Intimität beim Stillen und verbringe die ersten Tage nur im Bett oder auf der Couch ohne Hausarbeit und (anstrengenden) Besuch. 

Was tun bei einem Milchstau? 

Wie bereits erwähnt, kann die richtige Stillposition und das korrekte Anlegen Deines Babys an die Brust Wunder wirken. Eine Hebamme oder Stillberaterin kann Dich hierbei gut beraten. Weitergehend ist es wichtig, unbedingt weiterzustillen oder Milch abzupumpen bzw. auszustreichen, damit die gestaute Milchmenge abfließen kann. Entleere die Brust per Hand oder Pumpe nur soweit, bis der Druck nachlässt. Es empfiehlt sich, die Brust alle zwei bis drei Stunden zu entleeren. 

Damit die Milch besser abfließen kann, hat sich feuchte Wärme bisher gut bewährt, gerne nachdem Du die Brust vorher sanft massiert hast. Die Massage sollte Dir nie weh tun. Eine Wärmflasche tut nicht nur der Seele gut, sondern hilft auch dabei, die Blutgefäße zu weiten und so den Milchfluss anzuregen. Wenn Schmerzen auftreten, kann die Brust nach dem Stillen vorsichtig gekühlt werden, um Schwellungen zu reduzieren und die Milchproduktion etwas zu hemmen. Eine ähnliche Wirkung erzielt man durch Salbei- oder Pfefferminztee, da auch dieser sich hemmend auf die Milchproduktion auswirkt.

Es ist wichtig, viel Haut-zu-Haut-Kontakt mit Deinem Baby zu genießen, dann fließen die Stillhormone besser und Du beugst vielen Hindernissen vor. Bettruhe ist ebenfalls wichtig, vor allem wenn Du Fieber hast.

Mastitis: Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Unter einer Mastitis versteht man eine Entzündung der Brustdrüse. Sie entwickelt sich oft aus einem Milchstau heraus, da eingeschlossene Muttermilch zu einer Infektion führen kann. Verletzungen an der Brust, in die Bakterien eindringen können, können ebenfalls zu einer Mastitis führen. Während man bei einem Milchstau in der Regel nur leichtes Fieber hat, wirkt sich die Mastitis auf den gesamten Körper aus. Es kommt zu einem Temperaturanstieg über 38,5 °C und wird von Unwohlsein, Schmerzen und Rötungen der Brust und grippeähnlichen Symptomen, wie Gliederschmerzen, begleitet. Es sollte in diesem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden, da eine Mastitis mit bakteriellem Ursprung unter Umständen mit einem Antibiotikum behandelt werden muss. 

Vor allem im Anfangsstadium einer Mastitis kann das Kühlen der Brust helfen, die Entzündung einzudämmen. Entzündungshemmende Medikamente, wie Ibuprofen, können gegen die Schmerzen helfen und sind beim Stillen zugelassen. Strenge Bettruhe mit möglichst viel Körperkontakt zu Deinem Baby ist nun wichtig. Bei wiederkehrendem Mastitiden ist der Einsatz von Probiotika zu überlegen. 

Schmerzen beim Stillen: Wunde Brustwarzen oftmals der Hauptgrund

Wunde oder schmerzende Brustwarzen sind unter den Stillproblemen weit verbreitet: 96 % aller Stillenden geben in den ersten Wochen an, schmerzempfindliche Brustwarzen zu haben. Bei etwa 34 % werden wunde Brustwarzen als Hauptproblem beim Stillen angegeben und sind auch häufig der Grund für ein vorzeitiges Abstillen. In manchen Fällen kann die Infektion sich absetzen und zu einem Abszess führen.

Doch wie kommt es überhaupt erst dazu, dass die Brustwarze wund wird? Durch eine stärkere Durchblutung des Gewebes und die Beanspruchung durch das Baby kann es zu einer erhöhten Empfindlichkeit kommen. Auch ohne, dass Brustgewebe sichtbar verletzt wird, können Schmerzen in der Brust auftreten. Häufige Ursachen für wunde Brustwarzen sind:

  • Eine nicht optimale Anlege- und Saugtechnik: Durch falsches Anlegen wird die Brustwarze vom Baby nicht richtig erfasst und zwischen Gaumen und Kauleisten wund gerieben. Die Lippen des Babys sollten beim Saugen immer ausgestülpt sein, um die Brustwarze und das umliegende Brustgewebe gut zu umfassen. Das Kind sollte beim Stillen immer mit dem Kopf der Brust zugewandt sein. Wichtig ist, dass Du eine Stillposition findest, die für beide Seiten angenehm ist. 
  • Späterer Milchfluss: Eine Brustmassage vor dem Stillen, fördert den schnellen Milchfluss und das Kind muss am Anfang nicht mehr so stark saugen. 
  • Flach- oder Hohlwarzen: Diese Art der Formung kann das Stillen erschweren, da die Brustwarzen weniger heraustreten als generell üblich. Brustwarzenformer können bei diesem Problem jedoch relativ einfach Abhilfe schaffen.
  • Mangelnde Hygiene: Wichtig ist, sich die Hände vor dem Stillen zu waschen und auch Stilleinlagen nach jedem Stillen zu wechseln. 
  • Zu kurzes Zungen- oder Lippenbändchen des Kindes: Fehlbildungen können es dem Baby erschweren, die Brustwarze richtig zu umfassen, da die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt wird. Das Baby kann im Umkehrschluss nicht richtig saugen und rutscht dabei ab. In diesem Fall solltest Du Dich an eine Hebamme, Stillberaterin oder an einen Arzt wenden. In seltenen Fällen muss das Zungenbändchen oralchirurgisch gelöst werden.
  • Frühchen: Zu früh geborene Babys sind in der Regel saugschwacher. In diesem Fall kann man die Brustwarze vor dem Anlegen mit einer Milchpumpe stimulieren, um den Milchfluss anzuregen und dem Frühchen das Saugen zu erleichtern.
  • Das Baby zahnt: Das Zahnen ist bekanntlich kein schöner Prozess und kann nicht nur für das Baby unangenehm werden. Beißt es beim Stillen in die Brust, kann dies sehr schmerzhaft sein. Das Stillen sollte in diesem Fall kurz unterbrochen werden, um dem Kind zu signalisieren, dass eine Brust kein Kauspielzeug ist. 

Was kann man sonst noch dagegen tun?

Wunde Brustwarzen sind nicht angenehm, allerdings gibt es verschiedene Methoden, sie zu behandeln. Wollfetthaltige Brustwarzencremes können die Brustwarze schützend ummanteln und mit einem Pflegefilm versehen. Zudem können Brustwarzenauflagen vor Reibung an der Kleidung schützen und so die Wundheilung begünstigen. Zudem hilft es, viel Luft und Licht an die wunden Brustwarzen zu lassen, der BH sollte deswegen bequem und nicht zu eng sitzen. Um die wunde Haut nicht zusätzlich zu reizen, sollte weder Seife noch Duschgel an den Brüsten verwendet werden. Die Brustwarzen können stattdessen mit steriler Kochsalzlösung abgespült werden. Eine Laserbehandlung mit einem Low-Level-Laser führt zu einer schnelleren Abheilung der Wunde. Eine Vermeidung von Schnuller und Flaschensaugern in den ersten Wochen ist zudem eine gute Prophylaxe wunder Brustwarzen. Diese können zu einer Saugverwirrung führen, wodurch das Baby den Saugreflex quasi verlernen kann. An einer Flasche muss das Baby beispielsweise kaum Sauganstrenung aufbringen,um an Milch zu gelangen. Ist das Stillen noch nicht eingespielt und das Baby bekommt kurz nach dem Saugen nur wenig Milch in den Mund, kann sich große Unzufriedenheit breit machen und die Brust kann regelrecht verweigert oder als eine Art Kauspielzeug verwendet werden. Es ist also wichtig, dass das Kind den Saugreflex an der Brust nicht verlernt, damit es richtig daran trinken kann. Bis sich das Stillen eingespielt hat, solltest Du deswegen am besten keinen Schnuller oder Flaschensauger verwenden. Falls Du Milch abpumpen musst, solltest Du Trinksauger in Brustwarzenform benutzen.

Schmerzen beim Stillen: Gutes Schmerzmanagement ist wichtig

Bei all den hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten ist eine Sache besonders wichtig: Habe Geduld! Schmerzen lassen sich meist nicht vom einen auf den anderen Tag in Luft auflösen. Je entspannter Du während dieser Zeit bist, desto positiver wird es sich auf die Schmerzentwicklung auswirken. Niemandem ist damit geholfen, wenn Du Dich selbst unter Druck setzt. Keine Frau sollte sich schämen, wenn sie unter Schmerzen nicht mehr weiterstillen kann – hier gilt es, auf den eigenen Körper zu hören. Eine Hebamme oder Stillberaterin kann Dich auf Deinem Weg begleiten und Hilfestellung geben. Oft hilft auch der direkte Austausch mit anderen Müttern, denn nicht bei jedem läuft alles so rund wie im Bilderbuch. Wichtig ist, offen über Probleme zu sprechen und den eigenen Anspruch fallen zu lassen, als Mutter alles perfekt zu machen und immer funktionieren zu müssen. Sei entspannt, gehe liebevoll und achtsam mit Dir um, dann wird Dein Körper es Dir auf jeden Fall danken.

Hier nochmal das Wichtigste im Überblick:

  • Schmerzen beim Stillen können auftreten, sollten aber nie als normal angesehen werden. Es sollte direkt eine Hebamme, Stillberaterin oder ein Frauenarzt aufgesucht werden, um die Ursache auszumachen. 
  • Das korrekte Anlegen sowie Ruhe, Intimität und viel Haut-zu-Haut-Kontakt können viele Probleme lösen. Es sollte immer nach Bedarf des Kindes sowie der Mutter gestillt werden. Das Kind sollte in den ersten Tagen alle drei Stunden geweckt werden.
  • Bei rund 18 % aller Stillenden kann ein Milchstau auftreten. Oftmals kann es hier schon helfen, eine richtige Stillposition zu finden, bei der das Baby richtig an die Brust angelegt ist. Kühl- und Wärmeauflagen auf der Brust können Schmerzen lindern.
  • Aus einem Milchstau kann sich eine Mastitis entwickeln, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Kühlauflagen und entzündungshemmende Medikamente können schmerzlindernd wirken.
  • Rund 96 % aller Stillenden haben vor allem in der Anfangszeit des Stillens schmerzempfindliche Brustwarzen. Wollfetthaltige Cremes oder Brustwarzenauflagen können die Wundheilung begünstigen.
  • Wenn die Schmerzen so stark ausgeprägt sind, dass man vorerst nicht mehr weiterstillen kann, ist dies kein Grund zur Scham. Wichtig ist, offen über Probleme zu sprechen und sich fachkundigen Rat von einem Arzt, einer Hebamme oder Stillberaterin einzuholen. 

Referenzen:

Bruhn R. Schmerzmanagement in der Stillberatung. Heilberufe – Das Pflegemagazin 2012; 64 (2).

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin. Patienteninformation Milchstau – Wenn sich die Brust beim Stillen entzündet. 2017 [zuletzt zitiert am 20.06.21]. URL: https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/milchstau-mastitis

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. S3-Leitlinie – Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit. 2013.

Europäisches Institut für Laktation und Stillen. Wunde Mamillen. Ohne Jahr [zuletzt zitiert am 07.07.2021]. URL: https://www.stillen-institut.com/de/wunde-mamillen.htmlEuropäisches

Institut für Laktation und Stillen. MIlchstau, Mastitis und Abszess. 2021 [zuletzt zitiert am 07.07.2021]. URL: https://www.stillen-institut.com/de/milchstau-mastitis-und-abszess.html

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

You may also like