Bestimmte Faktoren (z.B. Stillprobleme oder Erkrankungen der Mutter und/oder des Kindes) können es nötig machen, Muttermilch abzupumpen oder auszustreichen, anstatt an der Brust zu stillen. Auch wenn das Kind in die Kita oder zur Tagesmutter geht und noch gestillt wird, kann Muttermilch dort angeboten werden. Wie lange ist sie haltbar und was gibt es bei der Lagerung zu beachten?

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So lagerst Du Muttermilch richtig

Muttermilch ist unangefochten die beste Ernährung für Dein Kind. Bestimmte Faktoren (z.B. Stillprobleme oder Erkrankungen der Mutter und/oder des Kindes) können es nötig machen, Muttermilch abzupumpen oder auszustreichen, anstatt an der Brust zu stillen. Natürlich kann beides auch miteinander kombiniert werden, beispielsweise wenn man als Mutter halbtags arbeitet. Auch wenn das Kind in die Kita oder zur Tagesmutter geht und noch gestillt wird, kann Muttermilch dort angeboten werden. Wie lange ist sie haltbar und was gibt es bei der Lagerung zu beachten?

Hygiene ist das A und O

Der Umgang mit einer Milchpumpe und die Reinigung dieser unterliegen einigen wichtigen Hygieneregeln. Bei der Verwendung von Milchpumpen sollten immer die Hinweise des Herstellers beachtet werden, bei Unsicherheiten kann eine Hebamme oder Stillberaterin zu Rate gezogen werden. Milch sollte immer mit frisch gewaschenen Händen abgepumpt werden, eine Desinfektion der Hände ist in der Regel aber nicht nötig. Vor dem Abpumpen sollte die Brustwarzenregion gereinigt werden. Du kannst dafür Wasser oder sterile Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) verwenden. Einzeln abgefüllte Kochsalzlösung kann sinnvoll sein, wenn Du entzündete Brustwarzen hast. Zudem kann Kochsalzlösung auch unterwegs praktisch sein, wenn du keine Möglichkeit hast mit Wasser zu reinigen. Die Reinigung mit Seife oder Desinfektionsmittel ist nicht nötig. Die Teile der Pumpe, die mit der Muttermilch in Kontakt kommen, sind nach Benutzung mit Seife zu reinigen und werden danach mit Wasser abgespült. Einmal pro Tag müssen diese Teile abgekocht werden (ca. drei Minuten kochendes Wasser) oder per Dampfsterilisation entkeimt werden. Im Detail kannst du Hygiene- und Reinigungshinweise zu Milchpumpen hier nachlesen. Auch bei der abgepumpten Muttermilch gibt es einige Hygieneregeln zu beachten:

Muttermilch sollte nach dem Abpumpen oder Ausstreichen in ein sauberes Gefäß gefüllt werden. Am besten eignen sich zur Aufbewahrung Glasflaschen oder Flaschen aus Bisphenol-A-freiem Plastik. Bisphenol-A (kurz: BPA) ist ein Weichmacher, der in vielen Kunststoffen und Harzen vorhanden ist und sich negativ auf das menschliche Hormonsystem auswirken kann. Trinkflaschen ohne den Weichmacher sind mit dem Kürzel BPA-frei gekennzeichnet. Vor dem Abpumpen sollten die Gefäße sorgfältig mit heißem Wasser und fettlösendem Spülmittel gereinigt werden und einmal am Tag sterilisiert werden. Es gibt zur Aufbewahrung auch spezielle Muttermilchbeutel, diese können jedoch jeweils nur einmal verwendet werden und sind daher umweltbelastend.

Wie lagert man Muttermilch und wie lange hält sie sich?

Abgepumpte oder ausgestrichene Muttermilch muss sorgfältig gelagert werden, um Reinheit und Sicherheit zu gewährleisten. Da sie nach dem Abpumpen nicht entkeimt wird , wie beispielsweise industriell aufbereitete Kuhmilch, ist sie nicht so lange haltbar. Sie kann jedoch etwas länger als zubereitete, industrielle Säuglingsnahrung gelagert werden.

Generell sollte man Muttermilch nach dem Abpumpen oder Ausstreichen in saubere Babymilchflaschen umfüllen und unverzüglich bei Temperaturen unter 5 °C kühlen. Achte dabei darauf, dass Du die Innenseite des Flaschendeckels nicht berührst. Am besten füllst Du sie immer in mahlzeitgerechte Portionen ab. Die Muttermilch kann im Kühlschrank drei Tage aufbewahrt werden, sofern sie richtig dort gelagert wird. Der kälteste Teil des Kühlschranks (z.B. nahe der Rückwand) ist ein besserer Lagerungsplatz als beispielsweise die Kühlschranktür, bei der die Temperaturen durch wiederholtes Öffnen des Kühlschranks schwanken können. Um eine Verschmutzung des Fläschchens mit Lebensmitteln im Kühlschrank zu vermeiden, solltest Du die Flasche senkrecht stehend in einer sauberen Kunststoffbox aufbewahren. Das Milchfett kann sich nach einiger Zeit oben absetzen und „sahneartig“ aussehen, was aber ganz normal ist. Durch leichtes Schütteln oder vorsichtiges Erwärmen vermischt sich alles wieder.

Eins Deiner wichtigsten Utensilien ist ein wasserfester Stift, mit dem Du das Abpumpdatum und die Uhrzeit auf dem Behältnis immer notieren solltest. Die Uhrzeit kann relevant für die Zusammensetzung der Muttermilch sein, denn diese passt sich immer an die Bedürfnisse des Kindes an. Milch, die beispielsweise morgens abgepumpt wird, besitzt wachmachende Eigenschaften und Milch, die abends abgepumpt wird, schlaffördernde. Man sollte Muttermilch, die zu verschiedenen Zeitpunkten gewonnen wurde, nicht zusammenschütten. Im Folgenden sind die Lagerungs- und Haltbarkeitshinweise auf einen Blick aufgeführt:

Haltbarkeit und Lagerung von frischer Muttermilch:

AufbewahrungsortZeitraumTemperatur
Kühlschrank3 Tage4 bis 6 °C
Raumtemperatur6 bis 8 StundenBis 26 °C
Kühltasche mit Kühlpack24 StundenMind. 1 Kühlpack
Eisfach (Kühlschrank)1 bis 2 Wochen-15 °C
Tiefkühler3 bis 4 Monate-16 bis -20 °C

Muttermilch einfrieren und auftauen:

Du hast richtig gelesen: Muttermilch kann eingefroren werden! Allerdings verliert sie durch den Vorgang biologisch aktive Bestandteile, weswegen die Verfütterung frischer Muttermilch vorzuziehen ist. Beispielsweise verliert Muttermilch nach circa einem Monat in gefrorenem Zustand an Vitamin A. Von einer Verwendung von Gefrierbeuteln aus Polyethylen wird abgeraten, da diese schnell undicht werden können und zudem wichtige in der Muttermilch enthaltene Antikörper leicht an dem Plastik haften bleiben können und so für das Baby verloren gehen. Ist eine Verfütterung mit frischer Muttermilch aus verschiedenen Gründen nicht möglich, ist Einfrieren trotzdem eine gute Alternative.  

Du solltest beim Befüllen des Gefäßes (z.B. Glas- oder Kunststoffflaschen) etwa 3 cm Platz zur Oberkante lassen, da die Milch sich beim Gefrierprozess ausdehnt und die Flasche sonst platzen kann. Im Eisfach bei bis zu -15 °C ist Muttermilch ein bis zwei Wochen haltbar, in einem Tiefkühler sogar drei bis vier Monate bei Temperaturen zwischen -16 und -20 °C. Wenn die Milch länger gefroren war, kann der Geschmack etwas „seifig“ ausfallen. Dies liegt an bereits aufgespaltenen Fetten in der Milch, ein Qualitätsverlust liegt hierbei jedoch nicht vor. Wie beim Kühlschrank sollte die Muttermilch im Gefrierfach im hinteren Teil gelagert werden, da dort die Temperatur konstanter ist.

Eingefrorene Muttermilch kann langsam über Nacht im Kühlschrank aufgetaut werden. Gegebenenfalls kann man das Gefäß auch kurz unter fließend warmes Wasser (max. 37 °C, kein heißes Wasser!) halten, wenn es mal schneller gehen muss. Dies sollte aber nur in Ausnahmen gemacht werden. Um eine Keimbildung in der Milch zu verhindern, sollte Muttermilch weder im Wasserbad noch bei Raumtemperatur aufgetaut werden. Auch ein Erhitzen in der Mikrowelle sollte tunlichst vermieden werden, da man die Temperatur des inneren Kerns der erwärmten Milch oft schlecht abschätzen kann und es so zu Verbrühungen bei der Fütterung kommen kann. Aufgetaute Milch darf nicht noch mal eingefroren werden, Reste stattdessen immer entsorgen. Wird Muttermilch in die Kita mitgegeben, sollte aufgrund der längeren Haltbarkeit nur frische Milch und keine aufgetaute verwendet werden. Die abgepumpte Milch sollte auf dem Weg zur Kita immer in einer Kühltasche transportiert werden, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird.

Im Folgenden sind die Haltbarkeitshinweise zu aufgetauter Muttermilch aufgeführt:

Zustand/OrtHaltbarkeitszeitraumTemperatur
Ungeöffnet im Kühlschrank24 Stunden4 °C
Geöffnet im Kühlschrank12 Stunden4 °C
Bei Raumtemperatur4 StundenBis 26 °C

Muttermilch sollte dem Kind immer bei Zimmer- oder Körpertemperatur gegeben werden. Erhitzen kann, wie oben bereits schon erwähnt, zu Verbrühungen führen und zerstört zudem die antiinfektiösen Eigenschaften der Muttermilch. Erwärmte Muttermilch sollte immer sofort verfüttert und nicht aufbewahrt werden, da sich sonst Bakterien in der Milch bilden können. Reste sollten aus diesem Grund immer entsorgt werden. Bei Unsicherheiten oder individuellen Fragen wende Dich an Deine Hebamme oder Stillberaterin.

Referenzen:

Bundesinstitut für Risikobewertung. Meine Muttermilch für mein Kind in der Kita oder Tagespflege. 2017.

Deutscher Hebammenverband e.V. Aufbewahrung von Muttermilch. 2014.

Lawrence R. Breastfeeding: more than just good nutrition. Pediatrics in review 2011; 32(7): 267-80.

Bundesinstitut für Risikobewertung, Nationale Stillkommission. Meine Muttermilch für mein Kind. 2017.

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