Resilienz beschreibt die Anpassungsfähigkeit an schwierige Veränderungen. Die Entwicklung von elterlicher Resilienz kann einen großen Beitrag leisten, die Coronapandemie souverän zu meistern. Auch auf Dein Kind hat ein resilientes Verhalten einen positiven Einfluss.

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Resilienz – Was ist das eigentlich?

Seit über zwei Jahren befindet sich die Welt nun schon in Ausnahmezustand. Wir können uns nicht mehr umarmen, können unsere Eltern und Großeltern aus Angst sie zu gefährden kaum noch sehen, nicht mehr ohne weiteres Restaurants besuchen oder in den Urlaub fahren. Auch die Kleinsten der Gesellschaft stellt die Pandemie vor völlig neue Erfahrungen und Herausforderungen. Die Welt hat sich verändert und so wird auch Dein Baby nun eine andere Umgebung und einen anderen Alltag erleben als noch die Generationen vor ihm oder ihr. Daher kommen nun für Euch, als Eltern in der Pandemiezeit ganz neue Aufgaben hinzu, die gelöst werden müssen. Die Entwicklung der Fähigkeit der sogenannten Resilienz kann Dir nun dabei helfen, trotz der erschwerten Bedingungen an persönlicher Stärke zu gewinnen und sogar an den während der Pandemie erlebten Herausforderungen zu wachsen. Elterliche Resilienz wird dabei in der Fachliteratur als die Fähigkeit definiert trotz erschwerter äußerer Zustände die physischen sowie emotionalen Bedürfnisse des Kindes erfüllen zu können. Mit bestimmten Strategien kannst Du dabei eine resilientere Lebenseinstellung entwickeln, die Dir dabei helfen kann trotz erlebter Herausforderung die elterlichen Aufgaben mit Bravour zu meistern. 

Für die Entwicklung Deines Kindes ist ein fürsorglicher Erziehungsstil wichtig 

Soziale Erfahrungen spielen für die Entwicklung Deines Kindes eine große Rolle. Das Verhalten der Eltern und deren Umgang mit dem Kind ist daher natürlich besonders entscheidend, da sie für ihr Baby die ersten und wichtigsten Bezugspersonen darstellen. Psychologen konnten beispielsweise bestimmte elterliche Verhaltensweisen ausmachen, die mit einer vorteilhaften Entwicklung des Kindes verbunden sind. So kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass ein Erziehungsstil, der geprägt ist von Wärme und einer hohen Sensibilität in Bezug auf die Bedürfnisse eines Kindes, aber auch das Schaffen von Strukturen und Grenzen für das Kind mit einer gesunden Entwicklung verbunden ist. Zudem konnten Forscher zeigen, dass elterliches Verhalten, das sich durch diese Eigenschaften auszeichnet, mit höheren akademischen Leistungen, besseren sozialen Kompetenzen, weniger Verhaltensauffälligkeiten und auch weniger Suchtproblemen des Kindes verbunden sind. 

Corona-Pandemie: Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ist von enormer Bedeutung

Da die Bedingungen, die mit der Pandemie einhergehen, die psychische Gesundheit gefährden können, ist es nun von besonders großer Bedeutung für uns alle, auf die eigenen emotionalen Bedürfnisse zu achten. So kann das Erleben von Depressionen oder ausgeprägte Ängste seitens der Eltern auch die Entwicklung des eigenen Kindes beeinflussen. Beispielsweise können Probleme auftreten mit dem Kind eine Bindung aufzubauen. Eine enge Bindung zu den Eltern ist für das Kind von großer Bedeutung, da sie dem Baby ein Gefühl von Schutz und Sicherheit gibt. Das Fehlen einer Bindung zwischen Eltern und Kind kann dabei zu einem erhöhten Stresserleben des Kindes führen. Dies ist mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen verbunden. Eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen über einen kurzen Zeitraum ist dabei für Dein Baby nicht schädlich und sogar für eine gesunde Entwicklung mit vielen Vorteilen verbunden. Jedoch kann eine lang anhaltende erhöhte Ausschüttungen von Stresshormonen einen Einfluss auf zahlreiche körperliche Funktionen haben und auch die neuronale Entwicklung negativ beeinflussen.

Natürlich willst Du das Beste für Dein Baby und möchtest ihm die besten Möglichkeiten für eine gesunde Entwicklung bieten. Jedoch sind selbst liebende Eltern leider auch nicht immun gegen die Schwierigkeiten und Sorgen, die eine weltweite Pandemie mit sich bringt. So ist es ganz natürlich, dass Du Dich in der aktuellen Lage, in der der Alltag leider immer noch geprägt ist von Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen, Home Office und Quarantäneregelungen gelegentlich gestresst und überfordert fühlst. Jedoch solltest Du versuchen trotz eigener Sorgen gut auf Dich selbst zu achten, um gut für Dich selbst und auch Dein Kind da sein zu können und ihm auch weiterhin ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. 

Resilienz kann Dir dabei helfen, erfolgreich mit den aus der Pandemie resultierenden Sorgen umzugehen

Psychologen konnten bisher noch keine Langzeitstudien durchführen um zu untersuchen, welche Schutzfaktoren am besten gegen die Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche schützen und einen resilienten Umgang mit Stressoren fördern. Jedoch können die Resultate einiger Studien, die nach Krisen durchgeführt wurden, die ganze Nationen beeinträchtigt haben, darüber Auskunft geben, wie Menschen ihr eigenes Wohlergehen und ihre eigene psychische Gesundheit trotz Krise schützen können. Daher kann Dir das durch diese Studien erlangte Wissen möglicherweise helfen, trotz äußerer Stressfaktoren, auch weiterhin die Herausforderungen des Alltags meistern zu können. 

  1. Entwicklung von Selbstwirksamkeit 

Das Konzept der Selbstwirksamkeit beschreibt den Glauben selbst in schwierigen Lebenssituationen Kontrolle über den eigenen Erfolg und das eigene Schicksal ausüben zu können. Zudem verfügen Menschen, die sehr selbstwirksam sind, über einen stärkeren Willen an sich selbst zu arbeiten und sind daher auch empfänglicher für Feedback. Sie sind offen dafür sich selber zu verbessern. Diese Eigenschaften führen dazu, dass Menschen, die in hohem Maße selbstwirksam sind, häufig weniger gestresst sind und seltener unter Depressionen und Ängsten leiden. 

In Bezug auf das Elternsein spiegelt sich eine hohe Selbstwirksamkeit beispielsweise in dem Glauben wider, dass man der Rolle als Elternteil gewachsen ist und einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben kann. So ist der Erziehungsstil von sehr selbstwirksamen Eltern häufiger mit Charakteristiken verbunden, die erwiesenermaßen zu der gesunden körperlichen und emotionalen Entwicklung von Kindern beitragen. Beispielsweise weisen diese Eltern eher ein sensibles, von Wärme geprägtes Verhalten im Umgang mit ihren Kindern auf. Unterschiedlichste Strategien haben sich als hilfreich erwiesen, um ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Beispielsweise kann die Erfahrung helfen, dass Du die Aufgaben, die Du Dir vorgenommen hast erfolgreich gemeistert hast. 

Das Setzen von kurzzeitigen sowie langzeitigen Zielen kann auch dazu beitragen, dass Du trotz erlebter Unsicherheiten und Ängste ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit beibehältst. Als Beispiele für kurzzeitige Ziele ließen sich beispielsweise nennen einen ausreichenden Schlaf zu bekommen, den Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten, sowie jeden Tag Essen für Dich und Deine Familie vorzubereiten. Ein Beispiel für längerfristige Ziele wäre hingegen zum Beispiel das Planen von Aktivitäten für die Zeit nach der Pandemie, sowie das Vornehmen von beruflichen Zielen. Das Setzen von Zielen trägt dazu bei, dass Du, selbst wenn Dein Leben durch strenge Quarantäneregeln stark eingeschränkt ist, das Gefühl behältst, einen Einfluss auf die Geschehnisse in deinem Leben zu haben. 

Zudem kann es für die Entwicklung der Fähigkeit der Selbstwirksamkeit helfen, die Erfahrung zu machen,  dass Du Aufgaben, die Du Dir  vorgenommen hast, erfolgreich gemeistert hast. Um die eigenen Ziele erfolgreich umsetzen zu können, kann es hilfreich sein große Aufgaben in mehrere kleinere Teilaufgaben, die relativ einfach zu lösen sind, einzuteilen. Das Betrachten großer Aufgaben als Ganzes kann mitunter zu dem Erleben von Ängsten und einem Gefühl von Überforderung führen. Das schrittweise Abarbeiten von zu erledigenden Teilaufgaben kann Dir dabei helfen, auch schwierige Aufgaben selbstsicher und erfolgreich zu lösen. Zudem wird der erlebte Erfolg dazu führen, dass Du das Gefühl entwickelst den Geschehnissen in Deinem Leben nicht passiv zusehen zu müssen, sondern einen aktiven Einfluss auf die eigenen Erfahrungen zu haben. 

  1. Entwicklung eines Gefühls von Verbundenheit

Gerade in Zeiten der Pandemie ist es wichtig die Beziehungen zu Freunden und Verwandten zu pflegen und ein soziales Netzwerk aufzubauen, um einen resilienten Umgang mit Krisensituationen zu ermöglichen. Obgleich es momentan nicht immer möglich ist, geliebten Menschen  persönlich gegenüber zu stehen, können auch der soziale Kontakt durch Telefonieren sowie soziale Netzwerke eine schützende Wirkung darstellen. Sollte es Dir jedoch aus unterschiedlichsten Gründen momentan schwer fallen mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, zum Beispiel weil Du gerade erst neu in eine Stadt gezogen bist, kannst Du beispielsweise versuchen über soziale Medien neue Bekanntschaften zu machen. So gibt es zahlreiche Foren, sowie Gruppen in den sozialen Medien, die Dir dabei helfen können, Gleichgesinnte zu treffen, mit denen Du dich austauschen kannst. 

Da alle Menschen mehr oder weniger von den Einschränkungen der Pandemie beeinträchtigt werden, kann es zudem eine positive Wirkung auf das eigene Wohlbefinden haben, ein Gefühl von Verbundenheit mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft sowie Freunden und Familienmitgliedern, zu entwickeln. Dazu kann zum Beispiel das Durchführen unterschiedlicher Meditationspraktiken wie die sog. Liebende Güte Meditation (englisch: loving-kindness) beitragen. Diese Meditationspraxis fördert erwiesenermaßen die Entwicklung eines erhöhten Gefühls von Verbundenheit mit Anderen und ist mit zahlreichen Vorteilen verbunden. Bei der Liebende Güte Meditation geht es darum, ein Gefühl von Liebe und Mitgefühl für sich und andere zu entwickeln. Dabei versucht der oder die Praktizierende positive Emotionen wie beispielsweise ein Gefühl von Zärtlichkeit, Wärme oder Glück sich selbst gegenüber und auch für nahestehende Menschen sowie für Fremde zu empfinden. 

Psychologische Studien haben ergeben, dass die Liebende Güte Meditation mit zahlreichen Vorteile für die eigene psychische Gesundheit verbunden ist. So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass das regelmäßige Praktizieren zu einem Rückgang von negativen Gefühlen wie Einsamkeit und Isoliertheit führen kann. Zudem kann es dazu beitragen die Motivation zu erhöhen, bei anderen soziale Unterstützung zu suchen und auch anderen verstärkt Unterstützung anzubieten, sowie das eigene Empathievermögen zu steigern. Aufgrund der aktuellen Beliebtheit von Meditationspraktiken gibt es dabei zahlreiche Möglichkeiten wie Du die Liebende Güte Meditation oder andere Meditationspraktiken erlernen kannst. 

  1. Der aktuellen Situation eine Bedeutung zuschreiben 

Menschen haben einen ausgeprägten Wunsch danach dem Leben und dem Erlebten einen Sinn und eine tiefere Bedeutung zu verschaffen. Forscher konnten feststellen, dass das Erleben eines höheren Sinnes vor psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen schützen kann. Damit auch Du ein sinnerfülltes und bedeutungsvolles Leben führen kannst, kann es gerade in Krisenzeiten helfen sich der eigenen persönlichen Werte bewusst zu werden. Die vielen ruhigen Momente, die mit den Geschehnissen der Pandemie einhergehen, kannst Du dabei dazu nutzen über die eigenen Ziele, die Du in Deinem Leben erreichen möchtest, nachzudenken. Zudem kann es helfen, die eigene Haltung zu den eigenen erlebten Emotionen zu überdenken, um auch mit schwierigen Emotionen umgehen zu können. So kann ein resilienter Umgang mit den eigenen Problemen und Sorgen erreicht werden, indem Du versuchst, bewusst im aktuellen Moment zu leben ohne von negativen Emotionen überwältigt zu werden. Dies kann beispielsweise erreicht werden, indem Du den aufkommenden Gefühlen mit einer akzeptierenden und nicht kontrollierenden Haltung gegenüber stehst, ohne die dabei aufkommenden Gedanken und Empfindungen zu verurteilen. Somit kannst Du die eigenen Sorgen und Ängsten mit etwas Distanz betrachten und Dich – statt dich in Grübeleien zu verlieren – auf Deine Zukunft und die eigenen Wünsche und Träume konzentrieren. 

Obgleich die Pandemiesituation mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist, ist es also dennoch möglich an den erlebten Herausforderungen zu wachsen. So kannst Du die aktuelle Coronalage als Möglichkeit sehen Deine eigene Widerstandskraft zu erhöhen, so dass es Dir in Zukunft noch besser gelingen wird Krisen, die Dich oder Deine Familie betreffen, zu bewältigen. Die Entwicklung von elterlicher Resilienz kann dazu einen großen Beitrag leisten und auch Deinem Kind zeigen, dass erlebte Krisen erfolgreich gemeistert und überwunden werden können. 

Hier noch einmal das Wichtigste in Kürze: 

  • Da die Pandemie mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist, ist es nun für Eltern von besonders großer Bedeutung auf das eigene emotionale Befinden zu achten
  • Mit der Entwicklung einer resilienten Einstellung, kann es Eltern gelingen, trotz der widrigen Umstände, das eigene Kind optimal in seiner oder ihrer Entwicklung zu unterstützen 
  • Eine erhöhte Resilienz kann dabei als eine Fähigkeit verstanden werden, die Du dir selbst, durch unterschiedliche Strategien, selbst aneignen kannst, um Krisen, auch in Zukunft erfolgreich meistern zu können 

Referenzen: 

Araújo LA, Veloso CF, Souza Mde, Azevedo JM, Tarro G. The potential impact of the COVID-19 pandemic on Child Growth and Development: A Systematic Review. Jornal de Pediatria. 2021;97(4):369–77.

Gavidia‐payne S, Denny B, Davis K, Francis A, Jackson M. Parental resilience: A neglected construct in Resilience Research. Clinical Psychologist. 2015;19(3):111–21.

Kumar A, Nayar K. COVID 19 and its mental health consequences. Journal of Mental Health. 2020;30(1):1-2.

Polizzi C, Lynn SJ, Perry A. Stress and Coping in the Time of COVID-19: Pathways to Resilience and Recovery. Clinical Neuropsychiatry. 2020;17(2):59-62.

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