Es juckt in der Armbeuge oder im Nacken und kratzen bringt nur eine kurze Milderung: Neurodermitis ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Was gegen den störenden Juckreiz hilft, erfährst Du hier.

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Neurodermitis: Ein lästiger Begleiter

Es juckt in der Armbeuge oder im Nacken und kratzen bringt nur eine kurze Milderung: Neurodermitis ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Eine Erhebung des Robert Koch Instituts zwischen den Jahren 2014 und 2017 ergab, dass 14 Prozent aller Kinder mindestens einmal an Neurodermitis erkranken. Neurodermitis zählt somit zur häufigsten chronischen Hauterkrankung, jährlich erkranken etwa 2 Millionen Kinder und 2,5 Millionen Erwachsene daran. Viele Kinder, die darunter leiden, entwickeln im Laufe ihres Lebens weitere allergische Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen. Eine Neurodermitis ist nicht ansteckend und verläuft oft schubweise.

Je früher die Krankheit auftritt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Hautekzeme wieder nachlassen. Bei 60 – 80 % aller Kinder, die im Säuglings- oder Kleinkindalter erkranken, geht die Neurodermitis meist bis zum Schulbeginn zurück. Vierjährige Kinder leiden Studien zufolge meist noch bis zum 15. Lebensjahr an Ekzemen. Oftmals geht die Neurodermitis aufgrund hormoneller Veränderungen im Körper in der Pubertät zurück. In seltenen Fällen kann sie im Erwachsenenalter erneut auftreten und mitunter schwere Verläufe haben. Bei Babys zeigen sich erste Symptome der Neurodermitis meist im dritten Monat als Milchschorf oder früher als starke Rötung mit rauen, trockenen Stellen an Ohren und Wangen, dann Händchen, Knien und Füßen

Wie entsteht eine Neurodermitis und was sind die Symptome?

Eine Neurodermitis ist eine Barrierestörung der Haut und eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Wie genau es dazu kommt, ist zum Teil noch unerforscht, man geht allerdings von einem komplexen Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren aus. Die Haut reagiert übermäßig auf äußere Stoffe und Umweltreize mit Entzündungen und Juckreiz. Aus diesem Grund sind Kinder, die in der Stadt leben und mehr Umweltbelastungen ausgesetzt sind, öfter betroffen als Kinder, die auf dem Land leben. Sind die Eltern im Laufe ihrer Kindheit an einer Neurodermitis erkrankt, sind ihre Kinder bei 60 – 80 % ebenfalls betroffen. Wenn keine genetische Veranlagung besteht, erkranken nur  5 – 15 % daran.

Man unterscheidet zwischen der extrinsischen Neurodermitis, die häufiger auftritt und zwischen der intrinsischen. Bei ersterem sind im Blutserum erhöhte Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE) aufzufinden. Bei dieser Art der Neurodermitis lösen Allergene oft Schübe aus. Häufige, einhergehende Allergien sind beispielsweise Allergien gegen Hausstaubmilben, Pollen oder Nahrungsmittel. Bei der intrinsischen Form ist der IgE-Wert im Normbereich, d.h., dass diese nicht durch Allergene ausgelöst wird, sondern durch eine Barrierestörung der Haut. Bei 20 – 40% der Betroffenen konnte nachgewiesen werden, dass eine Mutation im sogenannten Filaggrin-Gen vorliegt. Filaggin ist im Körper an der Bildung der Keratinschicht, Hydratation als auch an der pH-Wert-Regulierung der Haut beteiligt.

Als Symptome von Neurodermitis zählen nicht nur Juckreiz. Betroffene schlafen zusätzlich meist schlechter, da Juckreizschübe oft in der Nacht auftreten. Eine bleierne Müdigkeit aufgrund von Schlafmangel kann häufiger auftreten und mitunter auch auf die Laune schlagen. Studien haben ergeben, dass Kinder mit Neurodermitis sogar öfter psychisch auffällig sind und öfter am Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (kurz ADHS) erkranken.

Was kann man gegen Neurodermitis tun?

Eine Neurodermitis ist gut behandelbar, allerdings braucht man dafür etwas Geduld. Kleinkinder und Babys haben in der Regel eine empfindlichere Haut als Erwachsene, die schneller austrocknet. Man sollte Kinder, die unter Neurodermitis leiden, deswegen jeden Tag eincremen (weiterführende Tipps zur Hautpflege von Babys findest Du hier). Besprich mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin, welche Salben oder Lotionen in Frage kommen. Generell gilt: je akuter das Ekzem, desto mehr Wasser und weniger Fett sollte eine verwendete Creme enthalten. Je trockener die Haut und je geringer die Entzündung ist, desto fettreicher sollte die Creme sein. Im Sommer weniger und im Winter mehr Fett. Das verwendete Pflegeprodukt sollte keine Substanzen enthalten, die allergisch wirken, wie z.B. Wollwachs, Lanolin, Duft- oder Farbstoffe. Bei besonders empfindlicher Haut nur Cremes mit dem körpereigenen und sehr gut verträglichen Glycerin verwenden. Viele Medikamente sind für die Kleinsten noch nicht zugelassen, weswegen man schauen muss, was für den Nachwuchs geeignet ist. Jede Neurodermitis ist anders und individuell, weswegen es leider kein Allgemeinrezept gibt.

Eine konsequente Therapie gegen Neurodermitis kann das Risiko, andere allergischen Erkrankungen zu bekommen, senken. Oftmals haben sich kortisonhaltige Salben oder rückfettende Cremes bewährt. Badezusätze mit totem Meersalz haben sich ebenfalls als gut bewährt und können den Juckreiz mildern. Auch kurze Bäder mit rückfettenden Ölen können bei Babys und Kleinkindern die angegriffene Haut unterstützen. Das Bad sollte nicht zu heiß sein, da zu warmes Wasser die Haut entfettet. Kinder sollten maximal nur zwei – bis dreimal pro Woche für jeweils fünf Minuten gebadet werden, um die Haut nicht zu belasten und auszutrocknen.

Hier sind noch ein paar Tipps, die bei Neurodermitis hilfreich sein können:

  • Vor allem im Kindesalter ist eine Neurodermitis sehr unangenehm, da Kinder sich für ihre Ekzeme meist vor anderen schämen und beispielsweise im Schulunterricht Hemmungen haben, kurzärmelige Klamotten anzuziehen. Falls Dein Kind an einer Neurodermitis leidet, solltest Du dafür Verständnis zeigen und gegebenenfalls langärmlige, dünne Shirts kaufen, die die Haut nicht unnötig reizen. 
  • Sorge dafür, dass die Fingernägel Deines Kindes so kurz wie möglich geschnitten sind, um Kratzanfälle so harmlos wie möglich zu machen. Nachts kann man Kratzhandschuhe aus dünner Baumwolle verwenden. Alternativ kann man auch Babysöckchen über die Hände ziehen. Es gibt auch spezielle Neurodermitis-Schlafanzüge zu kaufen.
  • Bei empfindlicher und trockener Kinderhaut sollten die Klamotten luftig und leicht sein. Atmungsaktive Materialien und Baumwolle sind zu empfehlen, kratzige Stoffe wie Wolle oder auch synthetische Textilien sollten vermieden werden. Beachte, dass Du neue Klamotten vor dem Tragen immer erst waschen solltest, damit die schon gereizte Haut nicht noch auf Chemikalien reagiert. Am besten verwendest Du für Allergiker geeignetes Waschmittel. Zusätzlich frisch gebügelte Kleidungsstücke sind vom Stoff her weicher und angenehmer bei Juckreiz geplagter Haut zu tragen.
  • Ein guter Sonnenschutz ist für Neurodermitiker besonders wichtig. Dabei sind spezielle Sonnenschutzmittel für Kinder sicherer und verträglicher, mineralischer / physikalische Sonnenschutzfilter für Kleinkinder besser geeignete als chemische. 
  • Neurodermitis verläuft oft schubweise und kann durch Stress getriggert werden. Steht eine stressige Phase an, (z.B. Klausurenphase in der Schule oder ähnliches), dann versuch Dein Kind so gut es geht zu unterstützen und die betroffenen Hautstellen regelmäßig zu kontrollieren. Nicht jedes Kind spricht gerne über einen erneuten Ausbruch.
  • Wenn Dein Kind schon älter ist, hilft es, es so viel wie möglich über die Erkrankung aufzuklären. Es gibt zudem in vielen Städten Neurodermitisschulungen speziell für Kinder, die dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag umzugehen. In der Regel übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.
  • Um den Kratzreflex bei Juckreiz umzuleiten, können spezielle Kratzklötzchen Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um kleine Holzklötzchen, die mit Fensterleder bespannt sind. Anstatt die eigene Haut zu kratzen, wird der Impuls auf das Klötzchen projiziert und der Kratzreflex somit ausgetrickst. Kratzklötzchen kann man einfach selbst herstellen, eine Anleitung findest Du beispielsweise hier.
  • Falls Du noch stillst, kann Muttermilch bei juckender Haut ebenfalls Abhilfe schaffen. Mehr Informationen dazu findest Du in diesem Artikel. Stillen kann zudem das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, senken.
  • Da Juckreiz nachts durch Wärme schlimmer werden kann, solltest Du das Kinderzimmer möglichst kühl halten. Bei Kratzanfällen hat sich bewährt, Kühlakkus an die betroffene Stelle zu halten. Auch feuchte Umschläge können juckreizlindernd wirken.

Jede Neurodermitis ist anders und Bedarf einer individuellen Betrachtung. Mit den passenden Mitteln ist sie jedoch gut behandelbar. Am besten besprichst Du mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin, welche Behandlungsmöglichkeit für Dein Kind infrage kommt. 

Referenzen:

Neurodermitis bei Kindern. Consilium Hebamme 2018; 1.

Neurodermitis. Pädiatrische Allergologie 2007; 10.

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern. [zuletzt zitiert am 17.12.2021]. URL: https://www.neurodermitis.de/neurodermitis-bei-babys-und-kleinkindern/

Allergieinformationsdienst. Neurodermitis 2018. [zuletzt zitiert am 17.12.2021]. URL: https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/neurodermitis/verbreitung.html

Neurodermitis – wenn die Haut juckt. Pädia- Gesundheit von Anfang an. (Zuletzt zitiert am 05.01.2022). URL: https://www.paedia.de/wissenswertes/neurodermitis/

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