Bauchschmerzen treten bei Kindern häufig auf, etwa 20% der Kinderarztbesuche bei Kindern zwischen 4 und 14 Jahren sind aufgrund von Magenschmerzen. Oft führen Bauchschmerzen zu immenser Verunsicherung bei Eltern, vor allem wenn sie öfter auftreten und keine klare Ursache gefunden werden kann. Doch was kann alles hinter Magenschmerzen stecken?

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Bauchschmerzen bei Kindern kann vielfältige Ursachen haben

Für Eltern ist es oft schwer mit anzusehen, wenn Bauchschmerzen bei Kindern für Unwohl sorgen. Sie sind ein häufiger Besuchsgrund beim Kinderarzt / bei der Kinderärztin und für einige Fehltage in Schule oder Kindergarten verantwortlich. Viele Eltern befürchten oft eine zugrundeliegende Krankheit, vor allem wenn Bauchschmerzen wiederholt auftreten. Tatsächlich treten organische Ursachen jedoch nur bei 20% aller Kinder auf. In 80% der Fälle handelt es sich um funktionelle Schmerzen, welche nicht auf organische oder entzündliche Ursachen zurückzuführen sind. 

Vor allem bei Babys und Kleinkindern ist es oft schwierig, einen eindeutigen Auslöser zu finden, da sie sich nicht oder kaum artikulieren können. Hinweise auf Bauchschmerzen sind vermehrtes Wimmern oder Schreien, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Durchfall und Empfindlichkeit beim Berühren des Bauches. Halten die Anzeichen länger an, sollte ein Arzt / eine Ärztin aufgesucht werden. Bei Fieber, Teilnahmslosigkeit oder blasser Haut sollte umgehend ein Arzt/ eine Ärztin aufgesucht werden.

Was steckt dahinter und was kann gegen Bauchschmerzen bei Kindern helfen?

Zunächst gibt es einige Hausmittel, die sich bei Magenschmerzen bewährt haben. Mit einem Säugling sollte die Vorgehensweise bei Bauchschmerzen immer erst mit einem Arzt oder einer Ärztin oder Hebamme abgesprochen werden. Auch bei länger anhaltenden Beschwerden sollte dieser oder diese aufgesucht werden. Neben den Klassikern wie einem Kirschkernkissen oder warmem Tee gibt es noch ein paar Möglichkeiten, dem Kind Linderung zu verschaffen. Hier sind ein paar Tipps, was man bei Bauchschmerzen als Elternteil machen kann und welche Ursachen am häufigsten auftreten.

Blähungen: Stehen Blähungen im Verdacht Magenschmerzen auszulösen, hilft beispielsweise bei Babys, wenn sie nach dem Stillen öfter Bäuerchen machen können. Hier kann es helfen, die Kleinen nach dem Stillen mit dem Oberkörper hoch zu lagern und sanft auf den Rücken zu klopfen. So wird vermieden, dass sich zu viel Luft im Bauchraum ansammelt. Auch kann man den Bauch im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum sanft massieren. Als Zugabe kann Kümmelöl für die Massage verwendet werden. Kümmel ist ebenso als Tee sehr hilfreich gegen Blähungen und Magenschmerzen, auch Fenchel und Anistee kann helfen. Tee sollte allerdings nicht vor Beginn der Beikost gegeben werden. In Drogerien und Apotheken gibt es oftmals spezielle Teemischungen, die bei Bauchschmerzen bei Kindern effektiv helfen können. 

Isst das Kind schon selbstständig, sollten die Mahlzeiten in kleinere Portionen geteilt werden und gut durchgekaut werden. Letzteres erspart dem Magen zusätzliche Arbeit bei der Zerkleinerung. Blähende Lebensmittel wie Kohl oder Hülsenfrüchte sollten erstmal nicht auf dem Speiseplan stehen. Bei Getränken sollte darauf geachtet werden, dass sie kohlensäurearm sind, da diese den Magen zusätzlich reizen können. Auch haben sich Mittel mit dem Wirkstoff Simeticon bei Blähungen bewährt. 

Verstopfung: Auch eine Verstopfung wird oft von Magenschmerzen begleitet. Von einer Verstopfung spricht man, wenn das Kind nur einmal die Woche Stuhlgang hat und dieser sehr fest ist. Oft haben Kinder so Schmerzen beim Toilettengang, dass sie Angst davor haben, auf Toilette zu gehen. Auch hier kann eine Bauchmassage helfen, den verkrampften Magen etwas zu lockern. Zusätzlich hilft eine Wärmflasche oder ein warmes Bad, um die Muskulatur zu lockern und zu entspannen. Auch wenn Kindern mit Verstopfung und Bauchschmerzen oft nicht zu Bewegung zumute ist, kann dies effektiv dabei helfen, die Verstopfung zu lösen. Als Hausmittel haben sich Naturjoghurt, eingeweichte Leinsamen und Trockenobst bewährt. Überhaupt ist eine ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen, da diese nicht nur gesund ist, sondern einer Verstopfung sogar vorbeugt. Ist die Verstopfung gelöst, legen sich in der Regel auch die Magenschmerzen. In extremen Fällen helfen Kümmelzäpfchen oder Klysma, um die Verstopfung zu lösen.

Magen-Darm-Infekt: Treten neben den Bauchschmerzen Fieber und Erbrechen auf, handelt es sich oft um einen Magen-Darm-Infekt. Dieser wird durch Bakterien oder Viren ausgelöst, die die Magenschleimhaut schädigen. Bei Kindern geht dieser Infekt besonders schnell um, da sie sich oftmals Gegenstände oder die Hände in den Mund stecken, an denen Viren oder Bakterien haften. Im Falle eines Magen-Darm-Infektes sollte ein Arzt / eine Ärztin aufgesucht werden. Da Magen-Darm-Infekte oft mit Übelkeit und/oder Erbrechen einhergehen, sollte unmittelbar darauf geachtet werden, dass der Flüssigkeitshaushalt des Kindes durch viel Trinken konstant gehalten wird.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Oftmals können Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Ursache für Bauchschmerzen bei Kindern als Auslöser gefunden werden. Viele Kinder, vor allem Kleinkinder, haben eine Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker (Fructose) und Sorbit. Kinder ab 5 Jahren zeigen vermehrt Empfindlichkeiten gegenüber Laktose, vor allem Kinder, die aus asiatischen oder südeuropäischen Ländern stammen. Meist treten die Beschwerden direkt oder wenige Stunden nach dem Essen auf. Liegt der Verdacht bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, sollte ein Arzt / eine Ärztin (z.B. Gastroenterolog*in) aufgesucht werden, um diese mit speziellen Verfahren und Tests festzustellen.

Dreimonatskoliken:  Dreimonatskoliken können zwei Wochen nach der Geburt auftreten und bis zu drei Monate andauern. In dieser Phase ist das Baby unruhig und schreit sehr viel. Früher ging man davon aus, dass Magenschmerzen oder Darmproblematiken der Grund dafür wären, dies wurde allerdings mittlerweile wissenschaftlich widerlegt. Es handelt sich vielmehr um eine Regulationsstörung aufgrund der noch nicht ausgebildeten Fähigkeit des Babys, sich selbst beruhigen zu können. Nur bei etwa 5% aller Babys, die viel schreien, sind Bauchschmerzen der Grund. Oft kann es zu einem aufgeblähten Bauch kommen, welcher aber nicht Ursache, sondern Folge der Dreimonatskoliken ist. Ein sanftes Massieren des Bauches kann dagegen helfen.

Reizdarmsyndrom: 

Beim Reizdarmsyndrom liegen Empfindlichkeiten und Übererregbarkeiten der Schmerzfasern des Darmes und eine Reizung der Darmwand vor. Vor allem in Stresssituationen können Darmbewegungen verstärkt werden, was zu Bauchschmerzen führen kann. Beim Reizdarmsyndrom kann es neben Bauchschmerzen (tritt hier oft in Verbindung mit dem Stuhlgang auf) zu Verstopfung und Durchfall kommen. Aktuelle Studien schätzen, dass etwa 5-8,8% aller Kinder am Reizdarmsyndrom leiden. Somit zählt es zu einer der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Das Reizdarmsyndrom ist nicht heilbar, allerdings kann mit einer multimodalen Therapie eine Linderung der Symptomatik erzielt werden. Die Therapie setzt sich aus Ernährungsumstellung, Verhaltenstraining und Stressbewältigung zusammen. Eine medikamentöse Therapie ist bei Kindern oft erfolglos, da die Medikamente oft nur bei Erwachsenen wirken.

Psychosozialer Stress:

Wahrscheinlich kennt jeder Symptome wie Magenziehen oder Übelkeit in einer stressigen Phase oder die Aufregung vor einer wichtigen Präsentation. Vor allem bei Kindern kann Stress und eine emotionale Überlastung auf den Magen schlagen. Wenn Bauchschmerzen vor allem morgens vor der Schule auftreten und sich schnell wieder bessern, sobald das Kind zuhause bleibt, sollten Eltern daran denken, dass ihr Kind eventuell unter großem Stress stehen könnte und sich dies mit körperlichen Schmerzen bemerkbar macht. Bei dieser Form psychosomatischer Schmerzen handelt es sich nicht um eingebildete Schmerzen. Vielmehr kommuniziert die Psyche mit Schmerzen im Körper, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ist die Belastung dauerhaft, kann dies zu chronischen Schmerzen (definiert als länger als drei Monate anhaltend) führen. 

Eltern sollten in solch einem Fall behutsam versuchen, dem Problem auf den Grund zu gehen. Gibt es Fächer, in denen das Kind überfordert ist? Gibt es Mobbing in der Klasse? Gibt es vielleicht Probleme innerhalb der Familie? Zur Unterstützung kann ein Therapeut / eine Therapeutin in Form einer verhaltenstherapeutischen Gesprächstherapie dabei helfen, dem Problem auf den Grund zu gehen. Bereits das Sprechen über Belastungen und die körperlichen Zusammenhänge kann dazu beitragen, dass sich Symptome wie Bauchschmerzen bessern können. Auch Entspannungstraining wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation kann dabei helfen, die Anspannung zu reduzieren. 

Psychosomatische Schmerzen sollten immer ernst genommen werden, da bei dauerhafter Überlastung oder Nicht-Beachten das Risiko für psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen steigt. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Schmerzen chronisch werden können. Bei letzterem kann es helfen, einen Schmerztherapeuten / eine Schmerztherapeutin aufzusuchen.

Weitere Tipps bei Bauchschmerzen:

  • Bauchschmerzen können eine Vielzahl an Auslösern haben, weswegen eine Diagnose nicht immer einfach ist. Mithilfe eines Bauchschmerz-Kalenders kann schriftlich festgehalten werden, wann Schmerzen auftreten. Hier sollte nicht nur notiert werden, wann Schmerzen auftraten, sondern was an dem Tag gegessen wurde und wie der Tag grob ablief. Oft lässt dies nach einer Weile Zusammenhänge erkennen.
  • Bei Bauchschmerzen sollte zunächst immer ein Arzt besucht werden. Vor allem bei Folgenden Symptomen sollte dieser unmittelbar aufgesucht werden:
    • Fieber
    • Blut im Stuhl
    • Kolikartige Bauchschmerzen
    • Schmerzen unterhalb des Nabels
    • Starker Durchfall
    • Bei chronsich-entzündlichen Erkrankungen in der Familie (z.B. Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn)
    • Dein Kind hat so Schmerzen, dass es nicht aufrecht stehen kann
    • Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Oft sind Bauchschmerzen bei älteren Kindern auch die Ursache einer zu süßen und zu fettigen Ernährung. Durch eine ballaststoffreiche Ernährung kann der Darm in seiner Tätigkeit unterstützt werden. Hier kannst Du nochmal nachlesen, wie viel Zucker Kinder maximal zu sich nehmen sollten.

Referenzen:

Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin. Eltern Ratgeber Bauchschmerzen – Praxis U-18, Ver. 11/2020

Forster J. Symptomatische Bauchschmerzen bei Kindern. Manuelle Medizin 2002; 40: 41-42.

Schwerd T, Bufler P. Kind mit chronischen Bauchschmerzen. Wann steckt etwas Ernstes dahinter? Fortschritt der Medizin 2017;14/159.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bauchschmerzen. [zuletzt zitiert am 21.06.2022]. URL: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/krankheitszeichen/bauchschmerzen/#:~:text=Kinder%20leiden%20h%C3%A4ufig%20unter%20Bauchschmerzen,ebenfalls%20oft%20Ausl%C3%B6ser%20f%C3%BCr%20Bauchschmerzen.Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dreimonatskoliken. [zuletzt zitiert am 22.06.2022] URL: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/krankheitszeichen/dreimonatskoliken/

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