Das Ausdrücken von Wut spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Kindern. Aggressionen bei Kindern sind nicht selten, allerdings sollten Kinder lernen, mit Wut gesund umzugehen. Der Erziehungsstil hat einen großen Einfluss darauf.

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Der Umgang mit Wut ist ein Lernprozess

Das Ausdrücken von Wut spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Kindern. Besonders im Alter zwischen zwei und drei Jahren, der sogenannten Trotzphase, ist es ganz natürlich, dass Dein Kind auf ungewollte Ereignisse mit einer ausgeprägten Wut reagiert. So kann es vorkommen, dass Dein Kind im Supermarkt schreiend und weinend zusammenbricht, solltest Du es ihm verweigern, den heiß geliebten, aber auch leider nicht gerade gesunden Schokoriegel zu kaufen. Wir können Dich jedoch beruhigen, denn diese Phase, die häufig von ausgeprägten Wutanfällen geprägt ist, klingt bei den meisten Kindern allmählich mit der Zeit wieder ab. Dabei trägt unter anderem der Fortschritt in der Gehirnentwicklung Deines Kindes dazu bei, dass Dein Kind langsam lernt, die eigenen Emotionen besser zu verstehen und zu verarbeiten. So wird Dein Kind mit der Zeit verstehen, dass es, neben den zahlreichen Schokoriegeln, die es von Oma erhält, zwischendurch auch mal Obst oder Gemüse essen sollte. 

Bei einigen Kindern lässt sich jedoch auch im weiteren Verlauf der Kindheit beobachten, dass sie diese Lernerfahrungen nur langsam machen und auch wenn sie etwas älter geworden sind, noch immer gelegentlich auf ungewollte Ereignisse mit einer starken Wut reagieren und sogar aggressives Verhalten zeigen. Das Beibehalten von aggressivem Verhalten im Laufe der Kindheit kann dabei einen negativen Einfluss auf die spätere Entwicklung Deines Kindes haben. So kann eine Neigung zu aggressivem Verhalten beispielsweise zu einer erhöhten Suchtgefahr beitragen und auch das Verhalten in Beziehungen kann negativ beeinträchtig werden. Natürlich möchtest Du das Beste für Dein Kind und vom ersten Tag an alles in Deiner Macht tun, um sicherzustellen, dass es unter den bestmöglichen Umständen aufwächst. Daher kann es hilfreich sein, sich darüber aufzuklären, welche Erziehungspraktiken sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge positiv auf die weitere Entwicklung Deines Kindes ausüben und aus welchen Dein Kind möglicherweise, trotz guter Absichten, Nachteile ziehen könnte. 

Die Ursache in der Entwicklung von unangemessen aggressivem Verhalten sehen Psychologen in einem Zusammenspiel zwischen Persönlichkeitsfaktoren und dem familiären Umfeld des Kindes. Dabei kann besonders das Verhalten der Eltern einen stark prägenden Einfluss haben. So spielen die Erfahrungen, die Dein Kind in der frühen Kindheit in seinem oder ihrem familiären Umfeld macht, eine starke Rolle, da sie maßgeblich zur Gehirnentwicklung Deines Kindes beitragen. Besonders bei Kindern, die persönlichkeitsbedingt zu Impulsivität neigen, können bestimmte Erziehungsmethoden dabei aggressives Verhalten bedingen. Kinder, die zu impulsiven Reaktionen neigen, reagieren beispielsweise häufig mit einem Verhalten, das ihnen einen sofortigen möglichst großen Nutzen ermöglicht, anstatt sich zurückzuhalten, um zu einem späteren Zeitpunkt einen größeren Nutzen zu erzielen. Bestimmte Erziehungsmethoden können ungesunden Verhaltensweisen seitens des Kindes jedoch entgegenwirken, da diese Methoden es Deinem Kind ermöglichen zu lernen, die eigenen Emotionen zu regulieren und besser mit erlebter Wut umzugehen. 

Aggressionen bei Kindern: Ein Maß an Kontrolle ist wichtig

Um Deinem Kind die Fähigkeit zu vermitteln, eigenen Gedanken und Emotionen zu verarbeiten und nicht bei erlebter Frustration mit aggressivem Verhalten zu reagieren, ist es förderlich, Deinem Kind Freiräume zu gewähren. Jedoch sollte ihm oder ihr dabei nicht das Gefühl vermittelt werden, dass es komplett auf sich selbst gestellt ist. Es gilt also, einen gesunden Ausgleich zwischen strukturierter Kontrolle und Freiräumen zu finden. Dabei ist es wichtig, anhand von Regeln dem Kind ein geordnetes Umfeld zu schaffen und dabei in der Umsetzung von Regeln konsequent vorzugehen. Durch die Umsetzung festgelegter Regeln wird dabei eine Routine geschaffen, die Deinem Kind ein Gefühl von Sicherheit und Halt vermitteln wird. Durch die Struktur, die es von seinem äußeren Umfeld erhält, wird es Deinem Kind besser gelingen, mit den eigenen Emotionen  – auch mit den negativen – umzugehen. 

Um das emotionale Wohlergehen Deines Kindes zu fördern, sollte bestrafendes Verhalten vermieden werden

Kinder gewinnen ihr Verständnis in Bezug auf soziale Regeln und Zusammenhänge hauptsächlich aus der Beobachtung ihres sozialen Umfeldes. Bereits ab einem Alter von etwa sechs Monaten beginnen sie die Bewegungen ihrer Eltern nachzuahmen. Etwas später wird Dein Kind dann auch beginnen zu verstehen, dass mit dem Ausführen bestimmter Verhaltensweisen ein bestimmtes Ziel erreicht werden kann. Dies führt dazu, dass Dein Kind allmählich auch die Werte und Grundannahmen versteht, die dem Verhalten der Eltern zugrunde liegen. 

Da Kinder ihr Verständnis von der Welt also sehr stark von ihren Eltern übernehmen, ist es natürlich äußerst wichtig, dass Eltern ein positives Beispiel für ihre Kinder setzen. Daher sollten Eltern versuchen, bestrafendes Verhalten als Erziehungsmethode zu vermeiden. Psychologische Forschungsergebnisse haben nämlich gezeigt, dass ein Erziehungsstil, der sich durch ein hohes Maß an Bestrafungen auszeichnet, mit aggressiverem Verhalten seitens des Kindes verbunden ist. Psychologen vermuten, dass dieser Zusammenhang besteht, da Kinder, die häufig von ihren Eltern bestraft wurden, ein Verständnis von der Welt entwickeln, das die Bestrafung von Fehlern ermutigt. Dies führt dazu, dass diese Kinder sich gerechtfertigt fühlen, auch andere vorschnell zu bestrafen, anstatt deren Motivation zu verstehen versuchen. Es wird vermutet, dass auf diese Weise bei häufig bestraften Kindern somit eine aggressivere Herangehensweise an Konfliktsituationen gefördert wird. Stattdessen, um die Entwicklung von aggressivem Verhalten zu vermeiden, wäre es sinnvoller, Kinder zu ermutigen, die Ursachen, die ihren Fehlern unterliegen, zu verstehen um aus ihnen zu lernen. 

Eine als positiv erlebte Eltern-Kind Beziehung dient der emotional gesunden Entwicklung

Ein gesunder Umgang innerhalb der Familie kann der Entwicklung von aggressivem Verhalten seitens des Kindes entgegenwirken. Beispielsweise kann es förderlich sein, wenn alle Familienmitglieder ein hohes Maß an Zufriedenheit mit der Verteilung der Verantwortung in der Familie und dem allgemeinen Familienklima zeigen. Auch ist es hilfreich, wenn sich die einzelnen Familienmitglieder umeinander  kümmern und auftretende Probleme ausdiskutieren. Ein gesundes Familienklima können Eltern beispielsweise erzielen, indem sie gegenüber ihren Kindern eine akzeptierende Haltung einnehmen und auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen und mit Wärme reagieren. Somit kannst Du Dein Kind effektiv in seiner oder ihrer emotionalen Entwicklung unterstützen. 

Bestimmte Erziehungsstrategien können also die Entwicklung von aggressivem Verhalten begünstigen. Durch die Vermeidung dieser Erziehungsstrategien und einem Erziehungsstil, der stattdessen von Akzeptanz, Wärme und Fürsorge geprägt ist, kann stattdessen die emotionale Entwicklung sowie die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten positiv gefördert werden.  

Referenzen:

Durmuş Saltalı N, imir HM. Parenting styles as a predictor of the preschool children’s social behaviours. Participatory Educational Research. 2018;5(2):18–37.  

Hentges RF, Shaw DS, Wang M-T. Early childhood parenting and child impulsivity as precursors to aggression, substance use, and risky sexual behavior in adolescence and early adulthood. Development and Psychopathology. 2017;30(4):1305–19.  

Siegler R, DeLoache J, Eisenberg N, Saffran J, Leaper C. How children develop. 2014; 

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