Sollte Nabelschnurblut von meinem Kind eingelagert, oder gespendet werden? Was sind Stammzellen überhaupt? Erfahre mehr zu diesen spannenden Themen.

Teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Nabelschnurblut einlagern oder spenden? Was ist sinnvoll für unser Kind?

Ein Baby ist unterwegs. Als werdende Eltern habt Ihr jetzt 40 Wochen lang Zeit, Euch Gedanken über die Zukunft und die Gesundheit Eures Kindes zu machen. In Schwangerschaftsbüchern und auf Websites zum Thema lest Ihr immer wieder etwas über das kostbare Nabelschnurblut und was man damit machen kann. Es enthält Stammzellen und kann zur Therapie von Krebs eingesetzt werden. Wir erklären Euch, was genau hinter der Spende oder der Einlagerung von Nabelschnurblut steckt und welche Möglichkeiten es für Euer Neugeborenes gibt.

Eine wichtige Frage zu Beginn: Was sind Stammzellen?

Stammzellen sind ganz spezielle Zellen, die sich auf besondere Art und Weise teilen. Sie bringen bei jeder Teilung eine neue Stammzelle sowie eine Zelle eines spezialisierten Typs hervor, die sich zu einem komplexeren Gewebe differenziert, zum Beispiel Blut, Haut oder ein bestimmtes Organ wie Herz oder Niere. Durch diese sogenannte asymmetrische Zellteilung erhält der Körper den Pool an Stammzellen und bildet gleichzeitig neue Zellen für alle Gewebearten des Körpers.

Es liegen verschiedene Arten von Stammzellen vor. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der Zelltypen, die sie durch Teilung bilden können. In der Nabelschnur eines Fötus, und dann eines Neugeborenen, befinden sich adulte Stammzellen. Sie haben die Aufgabe, Gewebe, das zugrunde gegangen ist, zu ersetzen bzw. zu reparieren. Dabei können sie ihre Teilungsfähigkeit verlieren, dafür aber eine neue Aufgabe im entsprechenden Gewebe erfüllen. Adulte Stammzellen differenzieren sich nicht mehr in jedes beliebige Gewebe, wie embryonale Stammzellen das tun, sondern können sich in verschiedene Zellarten eines Gewebes verwandeln.

Die Stammzellen aus der Nabelschnur sind in der Lage, die Blutbildung und das Immunsystem zu erneuern. Ärzte setzen sie bei Patienten ein, die an einer Leukämie leiden oder an einer ähnlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. Was Stammzellen aus dem Nabelschnurblut angeht, sind sie für den Empfänger besonders gut verträglich, weil sie noch nicht ausgereift sind wie die Stammzellen im Knochenmark oder im Blut von Erwachsenen. Ist Euer Baby auf der Welt, braucht es die Nabelschnur, nach dem diese auspulsiert ist, das heißt das meiste Blut aus Nabelschnur und Plazenta beim Baby ist, nicht mehr. Es atmet selbständig und bekommt seine Nährstoffe über die Milch. Vor allem Frühgeborene profitieren vom späten „Abnabeln“ und der zusätzlichen Blutmenge, da sich der Eisenwert dadurch erhöht. Zusätzlich wird die Immunabwehr erhöht. Wenn man Nabelschnurblut einlagern lassen möchte, ist ein Auspulsieren der Nabelschnur nicht möglich. Unter Umständen kann zudem nicht immer genug Nabelschnurblut aufgefangen werden, damit sich eine Einlagerung lohnt. 

Entscheidet Ihr Euch dafür und ist genug Nabelschnurblut vorhanden, könnt Ihr es für Eure eigene Familie gegen eine Gebühr einlagern lassen. Auch eine Spende an eine Stammzellenbank ist möglich, wo die potenziell lebensrettenden Zellen vielen Menschen zur Verfügung stehen.

Wie Ihr Nabelschnurblut einlagert

Verschiedene private Firmen bieten die Einlagerung von Nabelschnurblut mit und ohne Nabelschnurgewebe an. Die Kosten betragen für eine Laufzeit von bis zu 50 Jahren mehrere Tausend Euro. Entscheidet Ihr Euch dafür, das Nabelschnurblut Eures Kindes privat einzulagern, muss Euch eines bewusst sein: Eurem eigenen Kind nützen seine Stammzellen momentan noch nicht viel. Erkrankt es später mal an einer Leukämie, können die Ärzte keine Stammzellen transplantieren, die den kleinen Patienten ja in erster Linie krank gemacht haben. Für eventuelle Geschwister könnten die Zellen verwendet werden. Wissenschaftler arbeiten außerdem an vielen weiteren Möglichkeiten, die wandlungsfähigen Zellen auch bei anderen Erkrankungen einzusetzen.

Der Ablauf der Entnahme

Nachdem Ihr während der Schwangerschaft einen Vertrag mit einer privaten Stammzellbank vereinbart habt, erhaltet Ihr ein Paket mit dem Entnahmematerial. Das nehmt Ihr zur Geburt einfach mit in Eure Entbindungsklinik. Dort kümmern sich Hebammen oder Ärzte um alles Weitere. Euer Geburtserlebnis oder das Bonding mit Eurem Baby wird in keiner Weise gestört. Erst wenn die Nabelschnur durchtrennt ist, erfolgt die Entnahme des Blutes. Leider kann bei einer Nabelschnurspende nicht auf das Auspulsieren der Nabelschnur gewartet werden, da dann das meiste Blut bei Deinem Baby ist und nicht mehr viel für die Entnahme übrig bleibt. Ein Kurierdienst bringt das Material direkt zum von Euch ausgewählten Labor.

Kombination von Einlagerung und Spende

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Stammzellen Eures Kindes privat einzulagern, aber in eine öffentliche Spenderdatei aufnehmen zu lassen. Passen die Stammzellen zu einem Patienten, müsst Ihr der Spende zustimmen, erhaltet dann aber auch Euer Geld für die Einlagerung zurück.

Wie Ihr Nabelschnurblut spendet

Nicht jede Familie hat mehrere Tausend Euro übrig, um das Nabelschnurblut eines oder mehrerer Kinder privat einlagern zu lassen. Wenn Ihr die kostbaren Zellen, die Leben retten könnten, nicht einfach wegwerfen möchtet, könnt Ihr sie an eine Blutbank spenden. Dort stehen sie dann vielen Patienten zur Verfügung.

Entscheidet Ihr Euch vor der Geburt für eine Spende, wird der Mutter am Tag der Entbindung etwas Blut abgenommen und auf ihre Blutgruppe und weitere erbliche Merkmale untersucht. Zusätzlich wirst die Mutter auf Infektionskrankheiten gescreent.

Ist Euer Baby auf der Welt und abgenabelt, entnimmt Arzt oder Hebamme circa 60 Milliliter Nabelschnurblut zur Gewinnung der Stammzellen. Euer Kind muss für diesen Vorgang nicht gestochen werden. Im Anschluss wird das Transplantat in einer öffentlichen Nabelschnurblutbank untersucht, aufbereitet und unbefristet eingefroren. Selbstverständlich ist die Spende für Euch gebührenfrei. Ihr habt aber auch keinen Anspruch mehr auf die Stammzellen.

Ein paar wichtige Punkte zum Schluss:

– Die Wahrscheinlichkeit, dass Euer Kind sein eigenes Nabelschnurblut im Laufe seines Lebens brauchen wird, ist aktuell noch sehr gering.

– Eine Spende ist eine sehr sinnvolle Sache. Weltweit stehen mehr als 400.000 eingefrorene Nabelschnurbluttransplantate zur Verfügung, die international genutzt werden können. Mehr als 20.000 Transplantationen sind bereits erfolgt und die Zahl steigt jährlich an.

– Leidet eines Eurer Kinder an Leukämie, besteht eine gute Chance, dass die Stammzellen des neugeborenen Geschwisterchens helfen können.

– Möchtet  Ihr das Blut privat einlagern lassen, informiert Euch gut über die verschiedenen Firmen und überlegt, ob eine Ratenzahlung auf lange Sicht gesehen wirklich sinnvoll für Euch ist.

– Informiert Euch im Vorfeld, ob Eure Geburtsklinik mit dem Thema Nabelschnurblutentnahme vertraut ist und mit welchen Blutbanken sie kooperiert.

Referenzen:

– Weyerstahl T, Stauber M. Duale Reihe – Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2013.

– Wiley JM, Kuller JA. Storage of newborn stem cells for future use. Obstet Gynecol 1997; 89(2):300-3. doi: 10.1016/S0029-7844(96)00436-X. PMID: 9015040.

– Die Stammzellbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Ohne Jahr [Zitiert am 13. 11.2020]. URL: https://www.dkms-nabelschnurblutbank.de/wissenswertes/

– Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften. Im Blickpunkt: Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen. 12.2020 [Zitiert am 13.11.2020]. URL: http://www.drze.de/im-blickpunkt/stammzellen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

You may also like

Um das Stillen so erfolgreich und entspannt wie möglich zu gestalten, sind die richtigen Stillpositionen das A & O. Wenn Mutter und Kind eine geeignete Haltung einnehmen, die für beide angenehm ist, fällt es meistens leichter, zu stillen. Wir stellen Dir ein paar einfache Stillpositionen vor.