Daumenlutschen stillt das natürliche Saugbedürfnis und kann Kindern dabei helfen, sich zu beruhigen. Bis zu einem gewissen Grad ist das Lutschen am Daumen auch völlig unbedenklich, allerdings sollte es ab einem gewissen Alter abgewöhnt werden, da es auf Dauer schädlich sein kann. Wir verraten dir, wieso das Nuckeln am Daumen langfristig nicht empfohlen wird und wie eine Abgewöhnung am besten klappen kann.

Daumenlutschen: Wieso nuckelt ein Kind überhaupt am Daumen?

Daumenlutschen kann für viele Kinder ein wahrer Helfer in der Not sein, denn es ist in stressigen Momenten eine Art Sofort-Maßnahme, um innerlichen Stress und Unruhe abzubauen. Durch das Nuckeln am Daumen wird das natürliche Saugbedürfnis des Kindes gestillt, wodurch es sich merklich entspannt. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass Babys, die mehr unter Stress stehen, auch automatisch mehr an ihrem Daumen nuckeln.

Meist lässt das Saugbedürfnis irgendwann im Laufe der Entwicklung nach, Kinder hören somit in den meisten Fällen von ganz alleine damit auf. Dies kann vor allem dann am besten gelingen, wenn sie in einer möglichst stress- und konfliktarmen Umgebung groß werden. Bis zum dritten Lebensjahr ist es völlig in Ordnung, wenn Kinder am Daumen lutschen, um sich selbst zu beruhigen. Wenn es über das Alter von drei Jahren hinaus geht, sollte es allerdings langsam abgewöhnt werden, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Doch welche Folgen können überhaupt entstehen?

Daumenlutschen und seine gesundheitlichen Folgen

Vor allem Zahnärzte sehen das Nuckeln am Daumen über das dritte Lebensjahr hinaus eher kritisch. Durch den Druck auf Kiefer und Zähne kann es zu einem offenen Biss kommen: Der Daumen drückt die oberen Zähne nach vorne, die unteren werden nach hinten gedrückt, eine Lücke zwischen den Zahnreihen entsteht. Das Abbeißen von Lebensmitteln kann dadurch erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden. Bei rund 40% aller Kinder und Jugendlichen, die kieferorthopädisch behandelt werden müssen, ist Daumenlutschen ein Grund für Fehlstellungen im Kiefer. Auch kann es zu Störungen der Zungenmotorik kommen, weswegen Sprachstörungen auftreten können: manche Laute können von betroffenen Kindern nicht mehr oder nicht korrekt gemacht werden, vor allem die S-Laute sind davon betroffen. Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Kind Probleme mit dem Kiefer haben könnte, solltest Du dies auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen. Es gibt viele kieferorthopädische und logopädische Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, damit diese Erfolge erzielen, muss das Daumenlutschen in jedem Fall abgewöhnt werden. 

Daumenlutschen abgewöhnen, aber wie?

Am Wichtigsten ist, dass man Zeit und Geduld mitbringen sollte und Du Dein Kind genau beobachtest: In welchen Situationen nuckelt es am Daumen, aus Langeweile oder in Stresssituationen? Kinder, die den Daumen nutzen, um sich selbst zu beruhigen, müssen andere Möglichkeiten finden, um ihre Gefühle zu kanalisieren und zur Ruhe zu kommen. Eltern können hier beispielsweise frühzeitig eingreifen, indem sie ihr Kind, wenn es traurig oder gestresst ist, in den Arm nehmen und trösten. Als Tröster kann aber auch ein Kuscheltier dienen. Von einem Nuckeltuch oder Schnuller sollte abgesehen werden, da man das Nuckeln ganz abgewöhnen und nicht nur auf etwas anderes projizieren möchte. Es gibt zwar Schuller, die anatomisch geformt sind und weniger Probleme für den Kiefer machen, trotzdem ist dies keine langfristige Lösung und sollte nur Übergangsweise in Betracht gezogen werden. 

Das Daumenlutschen sollte in keinem Fall bestraft werden, da so nur noch mehr Stress entstehen würde, der das Nuckeln wieder bestärken kann. Sei liebevoll und geduldig mit Deinem Kind und erkläre ihm ruhig, dass es langsam Zeit ist, mit dem Daumenlutschen aufzuhören. Je liebevoller und stressarmer die Umgebung ist, umso leichter wird es Deinem Kind fallen, seine Angewohnheit loszulassen.

Falls Dein Kind aus Langeweile nuckelt, solltest Du dir in der Abgewöhnungsphase ein paar besonders tolle Beschäftigungsmöglichkeiten ausdenken, das können zum Beispiel tolle Spiele oder auch basteln sein. Du darfst Dein Kind auch ruhig loben, wenn es nicht am Daumen lutscht, übertreibe dies jedoch nicht indem Du permanent am Tag lobst, da Du dadurch immer wieder den Fokus auf das Daumenlutschen legst. Es kann stattdessen auch ein Nuckelkalender geführt werden, bei dem das Kind eine schöne Belohnung erhält, wenn es einige Tage ohne Daumenlutschen ausgekommen ist. 

Als hilfreich hat sich auch eine eher spielerische Herangehensweise bewährt: Male mit einem (ungiftigen) Stift ein lustiges Gesicht auf den Daumen Deines Kindes. Da er dadurch vermenschlicht wird, fällt es Kindern schwerer, das Gesicht ihres „Freundes“ einfach wegzulutschen. In Studien wurde diese Methode auch erfolgreich mit einem Baby-Sticker am Daumen erprobt. Hierbei sollte man aber darauf achten, dass der Sticker nicht giftig und auch nicht verschluckbar ist. Zur Sicherheit sollte hier lieber die Stiftvariante gewählt werden. 

Weitere Tipps, um das Daumenlutschen abzugewöhnen: 

  • Es gibt mittlerweile viele Kinderbücher zum Thema Daumenlutschen auf dem Markt. Such mit Deinem Kind vielleicht zusammen das richtige Buch aus, um es in der Abgewöhnung zu bestärken. Wenn die Figur eines spannenden Buches das schaffen kann, dann motiviert es Dein Kind umso mehr dazu, den Daumen nicht mehr in den Mund zu führen. 
  • Spricht Dein Kind mit Daumen im Mund mit dir, bitte es darum, diesen herauszunehmen, damit Du es besser verstehst. Kindern ist es wichtig, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren, weswegen dies ein guter Anreiz ist. 
  • Es gibt Tinkturen, die auf den Daumen aufgetragen werden können und bitter schmecken. Dies sollte allerdings nur in Ausnahmefällen geschehen, wenn Dein Kind wirklich hartnäckig auf den Daumen besteht. Manche Kinder merken zudem gar nicht, dass sie am Daumen nuckeln, da dies bereits ein Automatismus ist. In diesen Fällen kann diese Variante sie darauf aufmerksam machen.

Egal wie Du die Abgewöhnung letztlich angehst: Sei immer liebevoll und geduldig mit Deinem Kind und zeige ihm stets, dass Du es unterstützt und auf seiner Seite bist!

Referenzen: 

Singh D, Manglik AK, Khatri P, Shah SR, Bhadra A. Guidelines for Parents. Thumb-sucking, temper tantrums, and PICA. In: Indian Academy of Pediatrics. 2022.

Pattnaik J, Panda S. Baby on Baby’s Thumb: An Innovative Approach to Thumb Sucking Habits in Children. Indian Journal of Pediatrics 90, 91. 2023.

 

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