Eine Windeldermatitis ist eine Entzündung der Haut (Dermatitis) im Windelbereich. Sie tritt bei Säuglingen sehr häufig auf: etwa 20 bis 50% aller Babys entwickeln eine Windeldermatitis. Auch bei älteren Kindern, die aus bestimmten Gründen noch Windeln tragen, sowie bei Windel-tragenden älteren Menschen kann eine Windeldermatitis auftreten.

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Was sind die Symptome der Windeldermatitis?

Eine Windeldermatitis kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • Rötung der Haut im Windelbereich, manchmal auch am Unterbauch und den Innenseiten der Oberschenkel. 
  • Auffallend warme Haut
  • Schwellung der Haut
  • Bildung von kleinen Bläschen auf der Haut
  • Wunde, offene, nässende Hautstellen
  • Schuppige Haut
  • Schmerzen: diese äußern sich durch häufiges Weinen und Schreien und schlechten Schlaf
  • Geruch der Windel nach Ammoniak

Wie kommt es zur Windeldermatitis?

Eine Entzündung ist eine Reaktion des Körpers auf schädliche Reize und äußert sich unter anderem in Rötungen, Schwellungen und Schmerzen. 

Das Windeltragen und der Kontakt der Haut zu Kot und Urin trägt auf verschiedene Weisen zur schädlichen Reizung der Haut und somit zur Entstehung einer Entzündung bei:

  • Durch die Wärme und Feuchtigkeit des Windelbereichs kann die oberste Hautschicht „aufquellen“.
  • Auch die Reibung  der feuchten Haut an der Windel reizt die Haut und kann zu Schäden führen.
  • Der im Urin enthaltene Ammoniak reizt die Haut und führt zu einem höheren, also basischen, pH-Wert der Haut. Somit verliert die Haut ihren natürlichen Säureschutzmantel, der sie normalerweise vor Bakterien schützt. 
  • Im Kot sind Darmbakterien enthalten, die den Darm natürlicherweise besiedeln und dort keinen Schaden anrichten, sondern sogar notwendig sind (Darmflora). Durch den basischen pH-Wert werden jedoch bestimmte Enzyme, die von den Darmbakterien produziert werden, aktiviert. Diese Enzyme können nun die Haut angreifen. 
  • In wenigen Fällen reagieren die Babys allergisch auf bestimmte in der Windel enthaltene Materialen oder auf bestimmte Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten.
  • Durch die Schädigung der Haut und den fehlenden Schutzmantel wird die Haut anfälliger für einen Befall mit Bakterien oder Pilzen. 

Was ist Windelsoor?

Bei Babys mit Windeldermatitis entwickelt sich häufig zusätzlich eine sogenannte Windelsoor. Hierbei handelt es sich um einen Befall der Haut im Windelbereich mit bestimmten Hefepilzen, den Candida albicans. Deshalb spricht man häufig auch von einem Windelpilz oder einer Kandidose. 

Die Candida-albicans-Pilze sind weit verbreitet und die meisten gesunden Menschen haben im Darm, an den Geschlechtsorganen oder im Mund- und Rachenbereich Ansiedlungen dieser Pilze. Normalerweise verursachen sie jedoch keine Symptome, da sie ausreichend vom Immunsystem des Körpers bekämpft werden und sich somit nicht stark vermehren können. Bei Säuglingen hingegen ist das Immunsystem oft noch nicht ausgereift genug, um die Pilze ausreichend abzuwehren. Außerdem ist die Haut in der Windelregion durch die bestehende Windeldermatitis anfälliger für einen Pilz- oder Bakterienbefall. Es kommt also zu einer starken Vermehrung der Pilze. 

In diesem Fall treten neben der Rötung der Haut besonders häufig rote Pusteln und Bläschen mit weißer Umrandung auf. Außerdem ist der betroffene, wunde Hautbereich oft von einer schuppigen, weißen Umrandung umgeben. 

Windelsoor ist im Gegensatz zur Windeldermatitis ansteckend. Die Pilze können etwa durch die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenbereichs übertragen werden und auch dort Symptome auslösen (Mundsoor). Von dort kann er auch auf Deine Brust übergehen. Deshalb sollte bei Verdacht auf Windelsoor sofort ein Kinderarzt/eine Kinderärztin aufgesucht werden, der/die die Diagnose dann mit Hilfe eines Abstrichs der betroffenen Stelle sichern kann. 

Zur Behandlung der Windelsoor wird dann meist ein Antimykotikum (ein Medikament, das spezifisch gegen Pilze wirkt) in Form von Salben verschrieben, um die Vermehrung der Pilze zu bekämpfen. Wenn zusätzlich eine Mundsoor vorliegt, wird zusätzlich ein Antimykotikum zum Schlucken verordnet. Außerdem ist auch die Bekämpfung der Windeldermatitis (siehe weiter unten im Text) sinnvoll, da diese in den meisten Fällen einen Pilzbefall erst ermöglicht. 

Seltener tritt eine Infektion mit Bakterien auf, in diesem Fall werden Antibiotika verschrieben. 

Wie kann einer Windeldermatitis und Windelsoor vorgebeugt werden? 

Da Windeldermatitis bei Säuglingen weit verbreitet ist, kann sie nicht in jedem Fall vollständig verhindert werden. Du kannst aber einige Maßnahmen treffen, um die Wahrscheinlichkeit einer Windeldermatitis und eines Pilzbefalls deutlich zu reduzieren:

  • Lass dein Baby so oft wie möglich ohne Windel spielen und krabbeln! Je mehr Zeit die Windelregion in der feuchten warmen Windel eingepackt wird, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung einer Windeldermatitis. Frische Luft trägt außerdem zur schnelleren Erholung und Heilung von bereits wunder Haut bei. 
  • Stoffwindeln senken die Wahrscheinlichkeit für eine Windeldermatitis drastisch. 
  • Du kannst Dein Kind nach jeder Mahlzeit auch über ein Waschbecken oder Töpfchen abhalten, sodass die Haut Deines Kindes erst gar nicht mit Stuhl oder Kot in Berührung kommt. 
  • Wechsel die Windel deines Babys häufig! Nach Urin- oder Stuhlgang sollte die Windel sofort gewechselt werden, ansonsten bestenfalls etwa alle 3 Stunden.
  • Legen Sie die Windel eher locker an, um die Reibung an der Haut zu minimieren.
  • Achte auf die richtige Windelgröße für dein Kind. 
  • Windeln sollten möglichst luftdurchlässig und stark saugfähig sein. Lies hier, welche Windeln besonders hautschonend sind! 
  • Hautpflege ist wichtig: Reinige bei jedem Wickeln die Windelregion deines Kindes sorgfältig! Dabei sollte auf Seife und Feuchttücher verzichtet werden, da diese die Haut zusätzlich reizen können. Es sollte stattdessen mit warmem Wasser und Öl gereinigt werden. 
  • Ebenfalls wichtig ist das sorgfältige Abtrocknen nach der Reinigung. Achte dabei besonders auf das Trocknen der Hautfalten, da diese oft besonders feucht sind. 
  • Wasche dir vor und nach dem Wickeln gründlich die Hände, um eine Pilz- oder Bakterienübertragung zu verhindern.
  • Studien zufolge reduziert auch Stillen das Risiko einer Windeldermatitis.

Was tun bei Windeldermatitis?

Wenn du bei deinem Baby einen Ausschlag entdeckst, kannst du zunächst versuchen, die oben beschriebenen Maßnahmen einzusetzen. Wenn jedoch weitere Symptome hinzukommen, der Ausschlag schlimmer wird oder nach einigen Tagen immer noch besteht, solltest du einen Kinderarzt aufsuchen, der feststellen kann, ob es sich nur um eine Windeldermatitis oder schon um eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen handelt, und ob bei deinem Baby möglicherweise Grunderkrankungen wie etwa eine Neurodermitis vorliegen, die das Entstehen einer Windeldermatitis begünstigen können. Außerdem werden dir weitere Tipps zur Behandlung gegeben, etwa die Verschreibung bestimmter Salben, die bei jedem Wickeln aufgetragen werden sollten, um die Haut zu schützen. Auch Hebammen können oft gute Ratschläge zur Behandlung geben.

Zusammenfassung: ABCDE-Schema

Die wichtigsten Punkte zur Vorbeugung und Behandlung einer Windeldermatitis können unter den sogenannten ABCDE-Empfehlungen zusammengefasst werden:

  • A wie air (Luft): gönn der Haut deines Babys windelfreie Zeiten.
  • B wie barrier (Barriere): schütze die Hautbarriere deines Babys durch geeignete, von Arzt/Ärztin oder Hebamme empfohlene Salben.
  • C wie clean (sauber): achte auf eine gute Hygiene, regelmäßiges Wechseln der Windel und sorgfältige Reinigung der Haut deines Babys.
  • D wie diapers (Windeln): verwende möglichst atmungsaktive (luftdurchlässige) und saugfähige Windeln, um die Feuchtigkeit im Windelbereich zu reduzieren. 
  • E wie education (Bildung): lass dich von deinem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin und/oder deiner Hebamme beratschlagen.

Hier findest Du noch mehr Tipps, wie Du die Haut Deines Babys pflegen kannst.

Quellen: 

Höger, A. Windeldermatitis. consilium Hebamme 2017.

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