Etwa jeder Dritte in Deutschland leidet an einer allergischen Erkrankung, 16% davon sind Kinder und Jugendliche. Welche Allergien gibt es und wie kann man sie behandeln?

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Allergien beim Kind kommen häufig vor

Allergien sind zu einer Art Volkskrankheit geworden. Etwa jeder Dritte in Deutschland leidet an einer allergischen Erkrankung, 16% davon sind Kinder und Jugendliche. Bei vielen Kindern zeigen sich bereits Allergien oder zumindest Tendenzen dafür im Säuglings- oder Kleinkindalter. Eltern sollten bei Allergiesymptomen in jedem Fall einen Arzt / eine Ärztin aufsuchen, um zu ermitteln, um was für eine Allergie es sich handelt und um Beschwerden gezielt lindern zu können.

Allergische Beschwerden treten auf, wenn der Körper auf unterschiedliche, eigentlich harmlose Substanzen überempfindlich reagiert. Das Immunsystem reagiert auf diese Stoffe und bildet Antikörper gegen das Allergen (z.B. Pollen). Diese gebildeten Antikörper binden sich an bestimmte Zellen. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, setzen die Zellen chemische Stoffe wie das sogenannte Histamin frei. Im Körper entsteht dann ein Überschuss an diesem Gewebshormon, was zu einer Reaktion des Organismus führt: Tränende Augen, Niesen und Müdigkeit sind nur einige der Symptome. 

Das sind die häufigsten allergischen Erkrankungen bei Kindern:

Neurodermitis

Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung. Jährlich erkranken etwa zwei Millionen Kinder und zweieinhalb Millionen Erwachsene daran. Bei einer Neurodermitis reagiert die Haut überempfindlich auf äußere Stoffe und Umweltreize und es kommt zu Juckreiz und Entzündungen auf der Haut. 

Viele Kinder, die eine Neurodermitis haben, erkranken im Laufe ihres Lebens an weiteren allergischen Erkrankungen, wie etwa Asthma bronchiale oder Heuschnupfen. Bei 60 – 80 % aller Kinder, die im Säuglings- oder Kleinkindalter erkranken, geht die Neurodermitis meist bis zum Schulbeginn zurück. Vierjährige Kinder leiden Studien zufolge meist noch bis zum 15. Lebensjahr an Ekzemen. Einige Babys, die öfter von Milchschorf betroffen sind, zeigen bereits Tendenzen, später an Neurodermitis zu erkranken.

Kinder, die mehr Umweltbelastungen ausgesetzt sind und beispielsweise in der Stadt leben, sind häufiger betroffen als Kinder, die auf dem Land leben. Eine Neurodermitis verläuft oft schubweise und wird durch Allergene ausgelöst. Die häufigsten Verursacher sind Hausstaubmilben, Pollen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Eine Neurodermitis ist in der Regel gut behandelbar, allerdings braucht man dafür viel Geduld. Grundsätzlich verschreibt der Arzt / die Ärztin rückfettende Cremes oder, falls nötig, kortisonhaltige Salben. Hier erfährst Du mehr zum Thema Neurodermitis.

Heuschnupfen (allergische Rhinitis)

Heuschnupfen ist wohl eine der klassischsten allergischen Erkrankungen und fast jedem bekannt: Kaum fangen die Bäume und Blumen im Frühjahr an zu blühen, läuft die Nase oder die Augen tränen. Etwa jedes zehnte Kind bis 17 Jahre ist saisonal von solchen Beschwerden betroffen. Beim Heuschnupfen kommt es zu einer allergischen Reaktion der oberen Atemwege, ausgelöst durch Pflanzenpollen. Allergiker sind vor allem im Frühjahr und Sommer davon betroffen, weil zu dieser Zeit die meisten Pollen unterwegs sind. Die beste Möglichkeit die Allergie im Zaum zu halten ist, die Allergene bestgehend zu meiden. Es gibt sogenannte Pollenflugkalender, in denen die Pollenbelastung je nach Zeitraum aufgelistet ist. Auch Apps können dabei helfen zu ermitteln, wie die Pollenbelastung am jeweiligen Tag am eigenen Standort ist. Gegebenenfalls ist es möglich, die Spielzeiten danach auszurichten oder sich bei sehr hohem Pollenaufkommen möglichst nicht oder nur kurz draußen aufzuhalten. 

Nach dem Aufenthalt draußen solltest Du Deinem Kind die Haare waschen. Getragene Kleidung sollte möglichst nicht im Kinderzimmer liegen, um eine Allergenbelastung am Schlafplatz zu meiden. Sind die Hauptallergene bekannt, kann eine sogenannte Hyposensibilisierung in Betracht gezogen werden. Hierbei wird dem Körper eine niedrige Dosis des allergieauslösenden Stoffes zugeführt, um ihn allmählich daran zu gewöhnen und so den Abwehrmechanismus gegen das Allergen abzuschwächen. Es gibt zudem Anti-Histaminika, die Allergiereaktionen abschwächen bzw. sogar ganz verhindern können. Ein Heuschnupfen sollte in jedem Fall ärztlich behandelt werden, da sich aus ihm ein allergisches Asthma bilden kann.

Allergien beim Kind: Allergisches Asthma

Entwickelt sich eine nicht oder nur unzureichend behandelte Allergie oder Heuschnupfen zu einem allergischen Asthma, spricht man mitunter von einem ‚Etagenwechsel‘. Die Beschwerden verschieben sich von den oberen Atemwegen (Schnupfen, Niesen) zu den unteren Atemwegen und können zu Husten und Atemproblemen führen. Etwa 33 % aller Heuschnupfengeplagten sind von eben diesem Krankheitsverlauf betroffen.

In Deutschland sind etwa 8 – 10% aller Kinder von Asthma betroffen, bei 30% der betroffenen Kinder treten die ersten Symptome bereits im ersten Lebensjahr auf. Ob ein Kind an Asthma erkrankt, lässt sich z. T. schon ab der Geburt bestimmen. Babys, die große Mengen von Immunglobulinen (IgE-Antikörper) in der Nabelschnur aufweisen, erkranken dreimal häufiger an Asthma. Auch eine Frühgeburt kann Asthma begünstigen. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr nach der Schwangerschaft rauchen, haben ein höheres Risiko, an Asthma zu erkranken. Zigarettenrauch soll zu Genveränderungen führen, was wiederum das Immunsystem schwächt.

Ein allergisches Asthma entwickelt sich mit der Zeit, beispielsweise wenn Allergien nicht ausreichend behandelt werden. Als Therapie kommt bei Kindern oft niedrig dosiertes Kortison in Sprayform zum Einsatz. In jedem Fall muss bei einer Asthmaerkrankung ein Arzt oder eine Ärztin hinzugezogen werden.

Was sind die häufigsten Auslöser für Allergien?

Es gibt viele verschiedene Auslöser für eine Allergie. Oft spielen genetische Faktoren auch eine Rolle. Leidet ein oder beide Elternteile an einer Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass das Kind im Laufe seines Lebens ebenfalls eine Überempfindlichkeit entwickelt. Stillen ist jedoch eine gute Möglichkeit, um Allergien vorzubeugen. Studien haben ergeben, dass Kinder, die bis zum fünften Monat ausschließlich gestillt wurden, ein niedrigeres Risiko aufweisen, eine Allergie zu entwickeln. Stillst Du nicht und Dein Kind zeigt bereits Tendenzen für eine Allergie, gibt es die Möglichkeit hypoallergene Säuglingsmilch zu geben. Wurde bei Deinem Kind allerdings eine Kuhmilchallergie nachgewiesen, darfst Du keine hypoallergene Säuglingsmilch verwenden, sondern Spezialnahrung in Form von extensiven Hydrolysaten. Das Milcheiweiß ist hierbei so stark aufgespalten, dass es in der Regel nicht mehr allergen ist. Weitere oft auftretende Nahrungsmittelallergien sind beispielsweise Unverträglichkeiten auf Hühnerei, Weizen, Nüsse und Soja.

Neben Nahrungsmittelallergien können Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare eine Allergie begünstigen. Vor allem Frühblüher wie Birke, Hasel und Erle können ab März bereits zu Heuschnupfen führen. Durch den Klimawandel verändert sich auch die Pollenflugzeit und geschieht immer früher. Mitunter können Allergiker mittlerweile bereits im Januar und Februar erste Symptome zeigen.

Eine Allergie gegen Hausstaubmilben zeigt sich meist mit Symptomen wie tränenden Augen oder laufender Nase, meist direkt nach dem Aufstehen. Hausstaubmilben sind vor allem in Polstermöbeln vorhanden, das Bett ist davon auch betroffen. Betroffene sollten die Bettwäsche möglichst oft wechseln und bei mindestens 60° Celsius waschen, das Schlafzimmer sollte regelmäßig gelüftet werden.

Tierhaare sind neben Pollen und Hausstaubmilben die dritthäufigste Ursache für Atemwegsallergien. Was viele nicht wissen: Nicht das Fell, also die Haare des Tieres, führen zu einer allergischen Reaktion, sondern die Eiweißstoffe, die sich im Speichel und Hautschnuppen des Tieres befinden. Diese mikroskopisch kleinen Teile verbinden sich mit Staubpartikeln und können sich so leicht im gesamten Wohnraum verteilen. Bei Kindern, die bereits an einer Hausstaubmilbenallergie leiden, können sich die Symptome verstärken, da sich die Milben-Konzentration durch Haustiere erhöht. In der Regel treten mehr Allergien gegen Katzenhaare auf als beispielsweise gegen Hundehaare. Vor allem bei Letzterem kann es von Rasse zu Rasse und sogar von Tier zu Tier abhängig sein. Im Umkehrschluss heißt dies allerdings auch, dass ein Allergietest gegen Hundehaare allgemein nicht aussagekräftig ist. Im Zweifelsfall kann man beim Allergologen die persönliche Verträglichkeit der Haare des eigenen Hundes testen lassen.

Auch Kreuzallergien können zu allergischen Reaktionen führen. Bei einer Kreuzallergie reagiert das eigene Immunsystem überempfindlich auf ähnliche Stoffe aus verschiedenen allergen Quellen. Wer Beispielsweise gegen Birkenpollen allergisch ist, kann Symptome beim Verzehr von Äpfeln oder Karotten zeigen. Eine Hyposensibilisierung kann hier unter Umständen helfen. Kreuzallergien treten vor allem im Jugendalter auf.

Im Folgenden eine kurze Übersicht, welche Allergien und damit einhergehende Erkrankungen in welchem Alter am häufigsten auftreten:

Baby – und Kleinkindalter ( 0 – 3 Jahre):  Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien
Mögliche Auslöser: Stress, raue Kleidung, Nahrungsmittelallergien ( Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen, Nüsse)

Kindes- und Jugendalter ( 3 – 12 Jahre): Heuschnupfen, Asthma
Mögliche Auslöser: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare (Katzen, Hunde, Kleintiere wie Hamster oder Kaninchen)

Jugendalter (12 – 18 Jahre):  Kreuzallergien

Mögliche Auslöser: Pollen- oder Nahrungsmittelallergien

Altersunabhängig: Insektengiftallergie

Mögliche Auslöser: Bienen und Wespen

Das Wichtigste nochmal in Kürze:

  • Allergien treten bei 16% aller Kinder und Jugendlichen auf und sind somit weit verbreitet. 
  • Oft spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Leidet ein Elternteil oder beide an einer Allergie oder Unverträglichkeit, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind ebenfalls eine Tendenz zu Allergien zeigt.
  • Das beste Mittel vorbeugend gegen Allergien ist Muttermilch. Studien haben ergeben, dass Kinder, die bis zum fünften Monat gestillt wurden, seltener an Allergien leiden, als nicht-gestillte Kinder.
  • Die häufigsten Erkrankungen, die mit Allergien zusammenhängen sind Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma.
  • Es gibt mehrere Methoden, um Allergien zu behandeln. In der Regel sollte man die Allergene weitestmöglich meiden, auch eine Hyposensibilisierung ist möglich.
  • Wenn Du bei Deinem Kind Symptome erkennst, die auf eine Allergie hinweisen, solltest Du einen Arzt / eine Ärztin aufsuchen. Je früher man bestimmte Allergene ausfindig macht (z.B. durch einen Allergiepricktest) und Allergien behandelt, desto besser stehen die Chancen für eine schnelle Linderung und einen besseren Umgang damit. 

Referenzen: 

Interessengemeinschaft Allergenvermeidung. Allergien bei Kindern und Jugendlichen. 2008.

Schmitz R et al. Verbreitung häufiger Allergien bei Kindern und Jugendlichen. Bundesgesundheitsblatt 2014;57: 771 – 778. DOI 10.1007/s00103-014-1975-7.

Kindergesundheitsinfo. Was tun bei Heuschnupfen. [zuletzt zitiert am 12.01.2022] URL: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/erkrankungen/allergien/heuschnupfen/

Lungenärzte im Netz. Asthma bei Kindern. [zuletzt zitiert am 13.01.2022] URL: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bei-kindern/wie-haeufig-ist-asthma-bei-kindern/

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