Konzentrationsschwäche, Impulsivität und Hyperaktivität: ADHS ist die häufigste psychiatrische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter und betrifft rund 5% aller Kinder – und Jugendlichen. Die Symptome der Erkrankung können den Alltag für Betroffene und Angehörige zur Herausforderung machen. Welche Ursachen hat ADHS und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

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Was ist ADHS?

Kinder, die an der psychischen Krankheit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) leiden, werden oft als Zappelphilipp, Klassenclown oder Tagträumer bezeichnet. Konzentrationsschwäche und Rastlosigkeit ist nur eine der wenigen Symptome die ADHS ausmacht, sie hat viele Gesichter und kann den Alltag für Kinder enorm erschweren. ADHS ist die häufigste psychiatrische Erkrankung und tritt schätzungsweise bei 5% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland auf. In der Regel sind Jungen öfter davon betroffen als Mädchen. 

Bei ADHS unterscheidet man drei verschiedene Typen voneinander:

  1. Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätsstörung als Mischtypus 

Bei dieser eher seltenen Form kommt es vor allem zu impulsivem Verhalten und Hyperaktivität, Konzentrationsstörungen treten eher selten auf.

  1. Aufmerksamkeits-Defizit/ Hyperaktivitätsstörung vorwiegend unaufmerksamer Typus

Kinder, die unter diesem Typus leiden, haben vordergründig starke Probleme, sich auf etwas zu fokussieren. Sie sind oft zerstreut und neigen zu verträumten Verhalten. Arbeitsschritte gehen eher langsam von der Hand.

  1. Aufmerksamkeits-Defizit / Hyperaktivitätsstörung vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ

Bei dieser Form sind die Kinder oft rastlos und neigen dazu, den Unterricht zu stören und andere Kinder abzulenken. Nicht selten kann es bei Ermahnung zu unkontrollierten Wutausbrüchen kommen.

Ursachen von ADHS

Die Ursachen, die zu einer ADHS führen, sind wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Man nimmt jedoch an, dass neuro-biologische Stoffwechselstörungen ursächlich sind, die bestimmte Hirnabschnitte für übergeordnete Steuerungs- und Koordinationsaufgaben in der Informationsverarbeitung des Gehirns in ihrer Funktion beeinträchtigen. Die Filterfunktion des Gehirns wird dadurch gehemmt und die innere und äußere Reizverarbeitung gestört. Betroffene können wichtige von unwichtigen Reizen somit nicht mehr unterscheiden und leiden unter einer permanenten Reizüberflutung, was sich in für ADHS typischen Konzentrationsproblemen und hoher Ablenkbarkeit zeigt.

Studien haben zudem ergeben, dass ADHS oft erblich bedingt ist und zudem auch von verschiedenen Umweltfaktoren beeinflusst werden kann. Zu diesen zählen u.a. Komplikationen bei der Geburt, ein niedriges Geburtsgewicht, Rauchen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, sowie Hirnverletzungen und -erkrankungen.

Symptome

Konzentrationsprobleme, Rastlosigkeit und Hyperaktivität: Kinder, die an ADHS leiden, haben meist  Anpassungsschwierigkeiten und fallen oft negativ auf. Vor allem in der Schule wird das Beschwerdebild ersichtlich, da Kinder mit ADHS meist eine starkes Konzentrationsdefizit haben und oftmals nicht so ruhig wie ihre Mitschüler auf dem Platz sitzen und konzentriert arbeiten können. Die Folgen sind schlechtere Noten und Auffälligkeiten im allgemeinen Auftreten. Kinder mit ADHS neigen zudem häufiger dazu, aufgrund ihres rastlosen Wesens öfter bei anderen Kindern und auch Erwachsenen anzuecken. Während Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme und Impulsivität die Kernsymptome ausmachen, gibt es noch einige Nebensymptome:

  • Rastlosigkeit
  • Sprach- , Lese- und Rechtschreibschwächen
  • Verminderte Gefühlskontrolle
  • Desorganisation
  • Verminderte Stresstoleranz
  • Ungeduld
  • Vergesslichkeit
  • Stimmungsstörungen

ADHS-Symptome im Baby – und Kleinkindalter

Bei Babys kann noch keine sichere Diagnose gestellt werden. Forscher haben allerdings eine Verbindung zwischen ADHS und Regulationsstörungen herausgefunden. Babys, die unter Regulationsstörungen leiden, sind in der Regel unruhig, schreien mehr als der Durchschnitt und haben größere Probleme zu schlafen. Manche Säuglinge reagieren auf Körperkontakt negativ und lehnen diesen sogar gänzlich ab. Etwa ein Drittel der Babys, die solche Verhaltensmuster zeigten, entwickelten später eine ADHS.

Auch im Kleinkindalter ist ADHS nicht sicher erkennbar. Kleinkinder, die an ADHS leiden, schreien in der Regel sehr viel, haben Probleme sich auf etwas zu konzentrieren und zeigen Unlust am Spielen. Die Trotzphase fällt bei Kindern mit der Erkrankung oftmals ausgeprägter aus und strapaziert oft die Nerven der Eltern bis aufs Höchste.

Behandlungsmöglichkeiten von ADHS

Eltern, die Kinder mit ADHS haben, sind oftmals überfordert und zweifeln an ihren Fähigkeiten als Eltern. Hier sollte sich auf jeden Fall vor Augen geführt werden, dass die Verhaltensweisen bei ADHS nicht von einem schlechten Erziehungsstil herrühren, sondern von der Krankheit selbst kommen. Neurochemische Prozesse im Gehirn führen dazu, dass Kinder sich schlecht konzentrieren können und unaufmerksam sind. Auch wenn die Ursachen für die Erkrankung noch nicht gänzlich geklärt sind, gibt es einige Behandlungsmöglichkeiten, die aus der Kombination verschiedener Therapiemöglichkeiten aufbauen. Diese haben nicht nur die Verringerung der Kernsymptome zum Ziel, sondern auch betroffenen Kindern ein besseres Selbstwertgefühl zu geben und die Eltern-Kind-Beziehung zu verbessern. Folgende Behandlungsmöglichkeiten kommen dafür infrage:

  1. Kognitive Verhaltenstherapie
    In einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt ein Kind, sein impulsives und unkontrolliertes    Verhalten besser zu steuern. Auch ist es wichtig Kindern bewusst zu machen, die Ursache von Konzentrationsschwächen und Hyperaktivität nicht als Fehler bei sich selbst zu suchen, sondern über die Krankheit und ihre Ausprägungen aufzuklären. Eine kognitive Verhaltenstherapie bietet sich vor allem ab dem Schulalter an.
  1. Eltern – und Lehrertraining

Zweifelsohne kann der (Schul-) Alltag mit einem ADHS-Kind sehr herausfordernd für Eltern, Erzieher und Lehrer sein. Durch spezielle Trainings können Bezugspersonen den Umgang mit erkrankten Kindern und ihren Verhaltensweisen lernen. Nicht immer weiß man, wie man sich am besten verhalten soll und die Trainings geben ein gutes Wissensfundament, auf dem Eltern und Lehrer aufbauen können. Letztere sollten sich zudem miteinander abstimmen. 

  1. Medikamentengabe

In sehr schwerwiegenden Fällen und wenn die kognitive Therapie nach Wochen keine Verbesserungen zeigt, kann in Abstimmung mit einem Arzt eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. So genannte Psychostimulanzien wie Arzneimittel mit den Wirkstoffen Methylphenidat, Amphetamin oder Atomoxetin können Einfluss auf die Botenstoffe, wie etwa Dopamin, nehmen. Durch eine medikamentöse Gabe kann sich die Wahrnehmungsverarbeitung nachweislich verbessern, die Kernsymptome wie Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme und Impulsivität können deutlich verringert werden. Auch können Kinder dadurch wieder ein besseres Körpergefühl erlangen. Eine medikamentöse Therapie sollte immer mit einem Arzt abgesprochen und gut abgewogen werden, da es zu Nebenwirkungen kommen kann.

Liegt die Diagnose ADHS vor, sollte auf jeden Fall eine Behandlung angestrebt werden. Verlaufsuntersuchungen haben gezeigt, dass bei 30 – 60% der erkrankten Kinder noch Symptome im Erwachsenenalter festzustellen sind, auch wenn sich diese oft weniger ausgeprägt als im Kindesalter zeigen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es im späteren Lebenslauf zu Depressionen und Persönlichkeitsstörungen kommen. Auch die berufliche Karriere und soziale Beziehungen können darunter leiden. 

Du vermutest, dass Dein Kind an ADHS leidet? Der Verband Kinderärzte im Netz hat einen Fragebogen erstellt, mit dem Eltern eine erste Einschätzung bekommen können. Natürlich ersetzt dieser Bogen keinen Arztbesuch, sondern gilt nur als erste Orientierungshilfe.

Referenzen:

Krause J, Steinschulte C. Wissenswertes über ADHS. Ein Patientenratgeber. o.J.

Schulte-Markwort, Zinke. ADS/ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung Fortschritte in der Diagnose und Therapie. Springer Verlag 2003.

Schlack R et al. Bundesgesundheitsblatt 2007; 50: 827-835.

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